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Ally Pankiw, die Schitt’s-Creek-Autorin, die zwei Staffeln von Black Mirror eröffnete

Penelope H. Fritz
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Ally Pankiw
Ally Pankiw
Photo: Patrick.suechan / CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Geboren14. November 1986
Edmonton, Alberta, Canada
BerufFilm- und Fernsehregisseurin, Drehbuchautorin
Bekannt fürI Used to Be Funny
AuszeichnungenInside Out Film Festival Audience Award for Best Narrative Feature

Charlie Brooker hat Ally Pankiw inzwischen die Auftaktfolge von zwei verschiedenen Black Mirror-Staffeln anvertraut. In der ersten, Joan Is Awful, landete das gewöhnliche, ein wenig kleinliche Leben von Annie Murphys Figur bei einem Streamingdienst – mit Salma Hayek in der Hauptrolle. Die zweite, Common People, machte aus einem Abo für lebenserhaltende Versorgung eine Schuldenfalle, die eine Ehe zermürbt, und brachte Pankiw eine Nominierung der Directors Guild of America ein. Bei einer Serie, die von Unbehagen lebt, sagt die Wahl der Regisseurin viel aus. Pankiw kommt aus der Comedy und behandelt Pointe und Schmerz als ein und denselben Stoff.

Diese Haltung zieht sich durch fast alles, was sie bisher gemacht hat. Da ist eine queere romantische Komödie über Sucht, bei der sie vom ersten bis zum letzten Bild Regie führte. Da ist ein Spielfilm über eine Stand-up-Comedienne, die nichts mehr komisch finden kann. Und da ist ein Dokumentarfilm über das Frauenmusikfestival, das die Late-Night-Moderatoren der Neunzigerjahre immer wieder zum Running Gag machten. Im Mittelpunkt ihrer Arbeiten stehen meist Frauen, über die sich die anderen im Raum amüsieren. Ihre Kamera bleibt lange genug bei ihnen, um zu zeigen, was dieses Lachen kostet.

Sie wurde am 14. November 1986 als Sally Pankiw in Edmonton geboren und stammt aus St. Albert, einer Stadt am nördlichen Stadtrand von Edmonton. Ihre Familie hat ukrainisch-jüdische Wurzeln. Als Kind tanzte sie und choreografierte; auf diese frühe Arbeit – Körper für ein Publikum im Raum anzuordnen – hat sie als einen der Impulse verwiesen, die sie zum Regieführen brachten. Weitere Auslöser, die sie genannt hat, sind ganz konkret: Christopher Guests Mockumentarys, das Schreiben ihres ersten Kurzfilms, der Schnitt ihres ersten Dokumentarfilms an der Universität und die Beobachtung von Sofia Coppola bei der Arbeit am Set. 2008 outete sie sich als queer.

Ihre berufliche Laufbahn begann mit Musikvideos und Werbespots, zunächst beim Kollektiv The Young Astronauts und später über Partizan Midi-Minuit, den kanadischen Ableger der Produktionsfirma Partizan. Im Laufe der Jahre gehörten Janelle Monáe, Muna, Arkells, Kira Isabella, Ariana Grande, Phoebe Bridgers und Sabrina Carpenter zum Musikportfolio. Auf der Markenseite reichte die Liste von Pepsi, Amazon und Adidas bis zu WestJet, Nylon und Chanel. Es war eine Schule der Verdichtung: dreißig Sekunden, um eine Stimmung zu setzen, drei Minuten, um eine Geschichte rund um einen Song zu erzählen.

Parallel dazu drehte sie Kurzfilme, die auf dem Festivalparcours für queere Filme und Comedy unterwegs waren und bei Torontos Inside Out, Outfest, Frameline und dem LA Comedy Fest gezeigt wurden. In ihrer frühen Karriere wurde sie von TIFF, dem Harold Greenberg Fund und Bell Media unterstützt. 2018 gehörte sie mit einem Spielfilmprojekt namens The Hiding House zu den Stipendiaten des Directing Lab von Film Independent. The Hollywood Reporter nahm sie in seine Liste der 15 vielversprechendsten kanadischen Talente auf.

Ab 2017 führte sie bei der Comedy-Webserie Terrific Women für CBC Regie, was ihr eine Nominierung für den Canadian Comedy Award in der Kategorie Beste Regie bei einer Webserie einbrachte; für CBC Comedy entwickelte sie außerdem die digitale Serie An Awkward Girl Dates. Im selben Zeitraum stieg sie als Story Editor in den Writers‘ Room von Schitt’s Creek ein und blieb zwei Staffeln lang dabei. Dort entwickelte sich eine enge Arbeitsbeziehung zu Dan Levy, die sich Jahre später weiter auszahlen sollte. Außerdem arbeitete sie mit Annie Murphy zusammen, die später ihre erste Hauptdarstellerin bei Black Mirror werden sollte.

Ally Pankiw beim Toronto International Film Festival 2025
Ally Pankiw beim Toronto International Film Festival 2025. Foto: Patrick.suechan / CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons (Quelle)

Ihr Debüt als Fernsehregisseurin umfasste gleich eine ganze Staffel. Pankiw führte bei allen sechs Folgen der ersten Staffel von Feel Good Regie, Mae Martins semi-autobiografischer Komödie über eine kanadische Comedian in London, die sich in George (Charlotte Ritchie) verliebt und zugleich versucht, clean zu bleiben. Lisa Kudrow spielt Maes Mutter. Channel 4 zeigte die Serie im Vereinigten Königreich erstmals am 18. März 2020, Netflix veröffentlichte sie am folgenden Tag weltweit. Die erste Staffel hat bei Rotten Tomatoes auf Grundlage von 41 Kritiken eine perfekte Wertung. Der Ton der Serie – in ein und derselben Szene zärtlich und derb – wurde zu einer Art Markenzeichen von Pankiw.

Danach kam Hulu. Sie führte bei Folgen von Shrill Regie, Aidy Bryants Comedy über eine Autorin aus Portland, die aufhört, sich für ihren Körper zu entschuldigen, und bei The Great, Tony McNamaras anarchischer Historiensatire mit Elle Fanning und Nicholas Hoult. Die beiden Serien könnten kaum unterschiedlicher sein – genau darum ging es bei diesem Karriereschritt: Eine Regisseurin, die man bislang in die Schublade Webcomedy gesteckt hatte, führte nun bei einer Prestigeproduktion mit Kostümen, großem Maßstab und Ensemblebesetzung Regie.

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Joan Is Awful eröffnete am 15. Juni 2023 die sechste Staffel von Black Mirror. Joan, gespielt von Murphy, entdeckt, dass ein Netflix-ähnlicher Dienst namens Streamberry ihren Alltag in ein Hochglanzdrama verwandelt hat, in dem Salma Hayek die Hauptrolle spielt – und das nahezu in Echtzeit produziert wird. Das Drehbuch war fertig, bevor ChatGPT für die Öffentlichkeit zugänglich wurde, und die Folge erschien mitten in den Streiks der Hollywood-Autoren und -Schauspieler. Dadurch wirkten ihre Fragen nach digitalem Ebenbild und Einwilligung plötzlich hochaktuell. Pankiw beschrieb die Folge als Auseinandersetzung mit der Frage, „wer Kunst machen darf“, und damit, was geschieht, wenn wir die Geschichten anderer konsumieren. Ein Dialog enthält eine Anspielung auf Schitt’s Creek, und am Set trug die Crew aus Solidarität mit Joan Zöpfe. Bei den Critics‘ Choice Super Awards gewann die Folge als beste Science-Fiction- oder Fantasy-Miniserie beziehungsweise bester Fernsehfilm; Murphy wurde in derselben Kategorie als beste Schauspielerin ausgezeichnet.

Ihr eigener Spielfilm hatte lange auf sich warten lassen. Pankiw begann 2013 mit dem Drehbuch zu I Used to Be Funny; die #MeToo-Debatte erweiterte später den thematischen Rahmen. Rachel Sennott spielt Sam Cowell, eine Stand-up-Comedian aus Toronto, die mit einer posttraumatischen Belastungsstörung lebt und von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, als Brooke verschwindet – die Jugendliche, auf die sie früher als Babysitterin aufgepasst hat. Olga Petsa spielt Brooke; Jason Jones, Sabrina Jalees und Caleb Hearon gehören ebenfalls zum Ensemble. Der Film entstand mit Unterstützung von Telefilm Canada, Ontario Creates und WME Independent.

I Used to Be Funny feierte am 13. März 2023 beim South by Southwest Premiere und konkurrierte dort um den Grand Jury Award für den besten Spielfilm. Im Juni desselben Jahres gewann der Film beim Inside Out in Toronto den Publikumspreis als bester Spielfilm. Utopia brachte ihn am 7. Juni 2024 in die Kinos der USA und Kanadas. The New York Times und The Globe and Mail kürten ihn jeweils zum Kritikerliebling. Im Urteil von Rotten Tomatoes hieß es, Pankiws Debüt gebe Sennott Raum, ihre dramatische Bandbreite zu zeigen. Exclaim! lobte ihre „bemerkenswerte Kontrolle über den Ton ihres Films“ – das passende Kompliment für einen Film, der innerhalb eines einzigen Schnitts vom Sitcom-Rhythmus zum Traumadrama wechselt.

Brooker holte sie für die siebte Staffel zurück. Common People, geschrieben von Bisha K. Ali und Brooker, startete am 10. April 2025 auf Netflix. Rashida Jones spielt Amanda, eine Lehrerin, die nach einem medizinischen Notfall dank Rivermind am Leben bleibt. Der Abo-Dienst betreibt einen Teil ihres Gehirns über seine Server; verkauft wird das Angebot von einer gut gelaunten Vertreterin, gespielt von Tracee Ellis Ross. Chris O’Dowd spielt Mike, Amandas Ehemann, der weiterzahlt, während der Tarif immer schlechter wird und die Werbung schließlich aus dem Mund seiner Frau kommt. Die Folge erhielt zwei Emmy-Nominierungen: eine für Jones als Hauptdarstellerin und eine für das Drehbuch von Brooker und Ali. Pankiw selbst wurde bei den 78. Directors Guild of America Awards in der Kategorie Miniserie und Anthologie nominiert – neben Jason Bateman, Antonio Campos, Lesli Linka Glatter und Shannon Murphy.

Der Dokumentarfilm kam über Levy zustande. Als ein Produzent für ein Projekt über Lilith Fair eine Regisseurin suchte, meldete sich Levy – der bis dahin mit ihr an 13 Folgen von Schitt’s Creek gearbeitet hatte – laut Pankiws Schilderung gegenüber The Globe and Mail mit den Worten: „Na, dann habe ich genau die lesbische Regisseurin für dich!“ Lilith Fair: Building a Mystery, produziert von Levys Firma Not a Real Production, erzählt, wie Sarah McLachlan Ende der Neunzigerjahre beschloss, ein Tourfestival ausschließlich mit Künstlerinnen auf die Beine zu stellen. Radioprogrammierer und Veranstalter hatten ihr immer wieder gesagt, sie könnten nicht zwei Frauen direkt hintereinander spielen. Sarah McLachlan, Paula Cole, Sheryl Crow, Brandi Carlile, Erykah Badu, Bonnie Raitt, Jewel und Emmylou Harris kommen zu Wort, ebenso Olivia Rodrigo als Stimme einer Generation, die erst danach aufwuchs.

Der Film feierte am 13. September 2025 beim Toronto International Film Festival Premiere, lief vier Tage später auf CBC und war in den USA ab dem 21. September über Hulu und ABC News Studios zu sehen. Bei Rotten Tomatoes hat er auf Grundlage von 17 Kritiken eine perfekte Wertung. Chris Willman schrieb in Variety, Pankiw gelinge es „gut, die Anfänge jener Entwicklung nachzuzeichnen, durch die Lilith zu einem kulturellen Phänomen wurde“. Bei den 14. Canadian Screen Awards 2026 war der Film als bester abendfüllender Dokumentarfilm nominiert. In einem persönlichen Essay für CBC Arts schrieb Pankiw, sie habe zwei Jahrzehnte damit verbracht, zu verlernen, was ihr die Popkultur ihrer Teenagerzeit über sich selbst als junge lesbische Frau beigebracht hatte. Der Film habe ihr gezeigt, dass Frauen in der Kunst „diesen ständigen Prozess des Verlernens schon lange vor mir durchliefen“.

Zuletzt arbeitete Pankiw an der Serie Ponies, einem Spionagethriller von Peacock vor dem Hintergrund des Kalten Krieges. Emilia Clarke und Haley Lu Richardson spielen darin zwei Sekretärinnen an der amerikanischen Botschaft in Moskau, die 1977 nach dem Tod ihrer Ehemänner für die CIA angeworben werden. Pankiw führte gemeinsam mit Co-Schöpferin Susanna Fogel und Viet Nguyen bei Folgen Regie. Alle acht Episoden erschienen am 15. Januar 2026 und wurden von der Kritik positiv aufgenommen; im Juni desselben Jahres setzte Peacock die Serie nach einer Staffel ab. 2022 war außerdem bekannt gegeben worden, dass sie gemeinsam mit Levy Standing By entwickeln würde, eine Animationskomödie für Hulu über eine Gruppe unzufriedener Schutzengel.

Pankiw teilt ihre Zeit zwischen Toronto und Los Angeles auf. Der nächste Schritt dürfte spannend werden. Ihr einziger bisheriger Drehbuchspielfilm brauchte rund zehn Jahre vom ersten Entwurf bis zum Kinostart. Das Budget war kaum größer als das einer kanadischen Independent-Produktion, dafür spielte ein aufstrebender Star die Hauptrolle. Nun geht sie mit einer DGA-Nominierung, zwei Auftaktfolgen von Black Mirror und einer Levy-Partnerschaft, aus der bereits ein Dokumentarfilm hervorgegangen ist, an ihren zweiten Spielfilm. Dieser Lebenslauf verschafft ihr etwas, das ihr beim ersten Mal fehlte: den nötigen Spielraum, um den nächsten persönlichen Film nach ihren eigenen Vorstellungen und in größerem Maßstab zu realisieren.

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