Kino

Julia Jones: Zwanzig Jahre neben dem Helden – jetzt neben Ethan Hawke

Penelope H. Fritz
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Auf dem Plakat von The Weight – Im Goldrausch steht Julia Jones an dritter Stelle, direkt hinter Ethan Hawke und Russell Crowe. Padraic McKinleys Western spielt in der Großen Depression: Häftlinge schleppen das Gold einer Mine durch die Wälder Oregons, bevor der Staat es beschlagnahmt. Jones spielt Anna, eine indigene Frau auf der Flucht aus einem Minencamp, die Hawkes Sträfling unterwegs aufgreift und die fortan neben ihm marschiert. Kritiker in Sundance und Berlin fanden, die Rolle lasse ihr kaum Raum. Darin steckt ihre ganze Laufbahn: Der Name ist nach oben gerückt, der Rahmen kaum.

Dieser Rahmen ist leicht zu erkennen. Jones war Leah Clearwater, die einzige Frau im Wolfsrudel der Quileute in Eclipse – Biss zum Abendrot und den Breaking Dawn-Teilen; Cassie in Jonah Hex; Wilma, die Arapaho-Exfrau von Jeremy Renners Fährtenleser in Taylor Sheridans Wind River; Omera, die Witwe, die Pedro Pascals Kopfgeldjäger in The Mandalorian ein Zuhause anbietet; und Angela Bishop, die Polizeichefin einer Kleinstadt, die sich in Michael C. Halls Serienmörder verliebt, in Dexter: New Blood. Die Kamera folgt dem Mann. Sie spielt die Frau, die ihm ein anderes Leben bieten könnte. Für ein deutsches Publikum, dessen Bild von Native Americans lange Karl May geprägt hat, ist das ein vertrautes Muster: die indigene Frau als Ruhepol neben dem Helden.

Geboren wurde sie am 23. Januar 1981 in Boston, aufgewachsen ist sie im Viertel Jamaica Plain. Ihre Mutter hat englische Vorfahren; ihr Vater, so hat sie es selbst formuliert, ist „teils Choctaw, Chickasaw und Afroamerikaner“. Mit vier Jahren kam sie an die Boston Ballet School, mit acht drehte sie Werbespots und stand auf lokalen Bühnen. 1999 machte sie ihren Abschluss an der Boston Latin School, der ältesten öffentlichen Schule der USA, 2005 folgte ein Bachelor in Anglistik an der Columbia University. Nebenbei modelte sie für Kataloge von Levi’s, Gap, Esprit und L’Oréal.

Ihre ersten Rollen fand sie im Independentkino. Für Black Cloud, Ricky Schroders Boxerdrama von 2004, erhielt sie einen FAITA-Preis als beste Darstellerin. Danach kam Hell Ride, ein von Quentin Tarantino produzierter Rockerfilm, der 2008 in Sundance Premiere feierte. In den letzten beiden Staffeln von Emergency Room – Die Notaufnahme spielte sie Dr. Kaya Montoya, und 2009 stand sie im Mark Taper Forum in Los Angeles in Palestine, New Mexico auf der Bühne, einem Stück der Chicano-Theatergruppe Culture Clash.

2010 folgte der Sprung. Jonah Hex und die letzten drei Twilight-Filme machten sie einem weltweiten jungen Publikum bekannt. Leah, wütend und verletzt, geprägt von einem Ex-Freund, der längst weitergezogen war, wurde die Rolle, die ihr seither anhaftet.

Fünf Jahre später kam der Tiefpunkt. In The Ridiculous 6, Adam Sandlers Western für Netflix, war Jones die weibliche Hauptrolle: Smoking Fox, die ergebene Ehefrau von Sandlers Figur. Im April 2015 verließen während der Dreharbeiten in New Mexico rund ein Dutzend indigene Darsteller und Komparsen das Set – aus Protest gegen ein Drehbuch, das indigenen Frauen Namen wie „Beaver’s Breath“ oder „No Bra“ gab. Netflix ließ wissen, der Film trage „ridiculous“ nicht ohne Grund im Titel. Er erschien im Dezember unter schlechten Kritiken, und indigene Kritiker nannten gerade ihre Figur samt Namen rassistisch und sexistisch. Was immer Jones privat darüber dachte: Diese Rolle stand mitten in der Debatte darüber, wie Hollywood indigene Frauen schreibt.

Die Antwort kam aus einer Serie, die mit indigener Geschichte zunächst nichts zu tun hatte. „Kiksuya“, die achte Folge der zweiten Westworld-Staffel, lief 2018 und ist fast vollständig auf Lakota gesprochen. Sie gehört Akecheta, gespielt von Zahn McClarnon, und Kohana, der Frau, die er jahrelang sucht. Kohana war Jones. Die Folge gilt bis heute als eine der besten der Serie, und Autorin Carly Wray erzählte, die Stimmung am Set habe sich verändert, sobald McClarnon und Jones den Text spielten. Hier stand sie nicht neben der Geschichte. Sie war ihr Grund.

Seitdem weisen ihre besten Entscheidungen in dieselbe Richtung. In der Peacock-Serie Rutherford Falls spielte sie Sally, eine Casino-Angestellte. In Marvels Echo trat sie ungenannt als Chafa auf, die erste Choctaw in der Ursprungsgeschichte, die die Serie erzählt – eine Rolle, die an die Familie ihres Vaters rührt. Und in Sydney Freelands Rez Ball, geschrieben mit Sterlin Harjo und produziert von LeBron James, lieferte sie vielleicht ihre härteste Leistung: Gloria Holiday, einst Staatsmeisterin in der Navajo Nation, die wegen mehrerer Trunkenheitsfahrten nur noch im Reservat arbeiten darf und ihrem Sohn, dem Star des Basketballteams, einschärft, je höher man steige, desto tiefer falle man. Der Film feierte im September 2024 in Toronto Premiere und lief noch im selben Monat bei Netflix an.

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Gloria ist niemandes Freundin. Sie hat eine Vorgeschichte, ein eigenes Scheitern und eine späte Szene, in der sie dafür einsteht. Rez Ball und „Kiksuya“ belegen: Jones ist am stärksten, wenn eine indigene Autorin oder ein indigener Regisseur die Geschichte um eine Gemeinschaft herum baut, statt sie als Kulisse zu borgen.

The Weight – Im Goldrausch prüft, ob sich das übertragen lässt. Der Film feierte am 26. Januar 2026 in Sundance Premiere, lief im Februar außer Konkurrenz auf der Berlinale und kam am 18. September über Vertical in die US-Kinos; der deutsche Kinostart ist für den 19. November angesetzt. Erstmals setzt ein Mainstream-Western ihren Namen direkt unter zwei männliche Stars, und doch fand die Kritik Anna zu dünn geschrieben. Der nächste Schritt für Julia Jones wäre eine Rolle, in der sie über dem Titel steht – und die auch so geschrieben ist.

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