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Sylvester Stallone: Das Drehbuch, das er in drei Tagen schrieb, und die Wette, die sein Leben veraenderte

Molly Se-kyung

Drei Studios wollten das Drehbuch kaufen. Alle drei bestanden darauf, einen anderen Schauspieler in der Hauptrolle zu besetzen. Sylvester Stallone lehnte ab — dreimal. Was er verteidigte, war das Recht, die Figur zu verkorpern, die er in drei Tagen und zwolf Stunden geschrieben hatte, nach einem Boxkampf in Ohio, den kaum jemand gesehen hatte. Die Folgen dieser Entscheidung erstrecken sich uber funf Jahrzehnte Karriere.

Er wuchs damit auf zu wissen, dass der Korper einen fruher verraten kann als alles andere. Komplikationen bei der Geburt im New Yorker Stadtteil Hell’s Kitchen hinterliessen bei ihm eine dauerhafte Lahmung der unteren linken Gesichtshalfte. Das charakteristische Grinsen und die verwaschene Aussprache, die spater zu seinem Markenzeichen wurden, waren das Ergebnis eines medizinischen Unfalls. Die Ehe seiner Eltern zerbrach in offener Feindschaft; er verbrachte Teile seiner Kindheit in Pflegefamilien, wahrend Berufsberater seiner Mutter rieten, ihr Sohn sei eher fur die Bedienung von Aufzugen geeignet als fur kreative Arbeit. Er schrieb sich trotzdem an der Universitat Miami fur Schauspiel ein und kam 1969 nach New York.

Sieben Jahre lang lag er in allem falsch, ausser in der Richtung. Er arbeitete als Kinoplatzenanweiser, spielte Kleinstrollen in Filmen, uber die er lieber schwieg, und ergatterte eine kleine, aber bemerkte Rolle in The Lords of Flatbush (1974) neben Henry Winkler. Der Kampf zwischen Muhammad Ali und Chuck Wepner im Marz 1975 veranderte alles. Zu sehen, wie Wepner — ein namenloser Boxer ohne Ranking — Ali funfzehn Runden lang standhielt, gab Stallone etwas Nutzlicheres als Inspiration: ein Drehbuch uber das Weigerung, das Urteil der Punktrichter zu akzeptieren. Er schrieb es in dreieinhalb Tagen.

Rocky (1976) gewann den Oscar fur den besten Film. Stallone wurde der dritte Mensch in der Geschichte der Akademie, der im selben Jahr gleichzeitig fur den besten Schauspieler und das beste Originaldrehbuch nominiert wurde — als einzige Vorlaufer gelten Charlie Chaplin 1941 und Orson Welles 1942. Philadelphia errichtete eine Rocky-Statue, und Stallone wurde in die International Boxing Hall of Fame aufgenommen.

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Was folgte, ist der kritische Absatz, den Stallone seit Jahrzehnten verwaltet. Die Rambo-Serie, beginnend mit First Blood (1982), erreichte ein Weltpublikum, das sich nie fur amerikanischen Boxsport interessiert hatte. Cobra, Cliffhanger, Demolition Man: kommerziell zuverlassig, von der Kritik verrissen. Das Problem war, dass Stallone sich dieser Diskrepanz bewusst war — und die Spannung zwischen Selbstbild und Ausssenwahrnehmung fuhrte zu Entscheidungen, die sich schwer erklaren lassen.

Das Comeback war echt und verdient. Rocky Balboa (2006) funktionierte, weil er Nostalgie gegen etwas Harteres eintauschte: Rocky als Mann, der seine Relevanz verloren hat. Creed (2015) ging weiter und bescherte Stallone die besten Kritiken seiner Karriere — in einer Nebenrolle als Trainer. Ein Golden Globe und seine dritte Oscar-Nominierung folgten — vierzig Jahre nach den ersten beiden.

Heute macht Stallone etwas, das von 2002 aus betrachtet undenkbar gewirkt hatte: Er scheint sich zu amusieren. Tulsa King hat seit 2022 bereits vier Staffeln absolviert; die vierte befindet sich Mitte 2026 in der Postproduktion und wird fur Ende des Jahres erwartet. Seine Memoiren The Steps, erschienen im Mai 2026, blicken auf die Rocky-Jahre mit der Offenheit zuruck, die funfzig Jahre Abstand erlauben. Die Ankundigung vom Marz 2026, dass er gemeinsam mit Quentin Tarantino eine sechsteilige Serie uber die 1930er Jahre schreiben und inszenieren wird — in Schwarz-Weiss, mit Kameras aus jener Ara — platziert ihn hinter der Kamera.

Er ist seit 1997 mit Jennifer Flavin verheiratet und hat drei Tochter — Sophia, Sistine und Scarlet.

Jedes Mal, wenn ich gescheitert bin, haben die Leute mich abgeschrieben — aber ich komme immer zuruck.

Sylvester Stallone

Die Statue vor dem Philadelphia Museum of Art — verlegt, umstritten, mal als stadtisches Argernis behandelt, mal als das gefeiert, was sie ist — ist das Denkmal eines Mannes, der sich weigerte, von seiner eigenen Geschichte getrennt zu werden.

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