Kino

Wilford Brimley: Der Hufschmied, den Hollywood zum ewigen Opa machte

Penelope H. Fritz
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Wilford Brimley
Wilford Brimley
Photo: Marc Majcher / CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
Geboren27. September 1934
Salt Lake City, Utah, United States
Gestorben1. August 2020 (85)
BerufSchauspieler
Bekannt fürDas Ding aus einer anderen Welt, Die Firma, Der Marshal
AuszeichnungenGolden Boot

In Ron Howards Cocoon führt Wilford Brimley eine Gruppe von Rentnern an, die heimlich in den Swimmingpool eines Nachbarhauses steigen und verjüngt wieder herauskommen. Der Witz hinter der Besetzung: Brimley brauchte keinen Pool. Er war Jahrzehnte jünger als die Männer, die neben ihm planschten, und das Grau in Haar und Schnurrbart stammte aus der Flasche. Hollywood hatte längst entschieden, wer er war: ein knurriger, geradliniger alter Mann, der den Traktor repariert und einem nebenbei sagt, was er vom Haarschnitt hält. Diese Figur spielte er so gut und so lange, dass das Publikum selten fragte, wer darunter steckte.

Die Antwort liegt weit entfernt von jedem Studio. Brimley wuchs in Salt Lake City auf, Sohn eines Immobilienmaklers, und verließ mit vierzehn die Highschool, um als Cowboy auf Ranches im Westen zu arbeiten. Er diente bei den Marines auf den Aleuten, war Leibwächter des Unternehmers Howard Hughes, arbeitete als Pferdeknecht und als Schmied. Das Beschlagen von Pferden für Film- und Fernsehproduktionen brachte ihn an den Rand der Branche. Sein Freund Robert Duvall gab ihm den letzten Stoß.

In den Western der Sechzigerjahre ritt er als Komparse und Stuntman mit, ein Mann, der im Hintergrund glaubwürdig im Sattel saß. Eine Schauspielausbildung hatte er nie; seine erste Erfahrung vor Live-Publikum machte er in einer Theatergruppe, dem Los Angeles Actors‘ Theater. 1979 erzählte er der Los Angeles Times, mehr als 20.000 Dollar habe er als Schauspieler nie in einem Jahr verdient. Geboren im September 1934, war er damals Mitte vierzig, ein Alter, in dem die meisten Darsteller mit solchem Lebenslauf über einen Berufswechsel nachdenken.

Zuerst entdeckte ihn das Fernsehen, als Schmied Horace Brimley in Die Waltons, sieben Auftritte zwischen 1974 und 1977. Sein erster Kinofilm mit Namensnennung, Das China-Syndrom von 1979, gab ihm die Rolle des Ted Spindler, Kollege von Jack Lemmon im Kraftwerk, in einem Atomthriller, der zwölf Tage vor dem Unfall von Three Mile Island anlief. Zwei Jahre später verschaffte ihm Sydney Pollack in Die Sensationsreporterin einen späten, trockenen Auftritt als stellvertretender Generalstaatsanwalt James A. Wells: wenige Minuten, die über das Ende des Films entscheiden.

Dann kam 1982 John Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt. Als Blair, Biologe einer amerikanischen Forschungsstation in der Antarktis, begreift Brimley als Erster, wozu der wandelbare Organismus fähig ist, und zerbricht als Erster daran. Es ist seine am wenigsten großväterliche Rolle und diejenige, die am besten gealtert ist.

Duvall holte ihn 1983 zu Comeback der Liebe, weil er am Set jemanden auf seiner Seite haben wollte. Regisseur Bruce Beresford hielt Brimley für die Rolle des Harry für zu alt. Als Beresford ihm erklären wollte, wie sich die Figur verhalten würde, bekam er laut Duvall zu hören: „Bis Sie mich feuern oder einen anderen Schauspieler holen, bin ich Harry, und alles, was ich tue, ist richtig, weil ich Harry bin.“ Ein Jahr später war er Pop Fisher, der ausgelaugte Manager eines erfolglosen Baseballteams, an der Seite von Robert Redford in Der Unbeugsame.

Cocoon brachte ihm 1985 die erste Hauptrolle. Brimley war 49, als er als Ben Luckett besetzt wurde, und wurde während der Dreharbeiten 50; er war mindestens zwanzig Jahre jünger als alle Darsteller seiner Mitbewohner im Altenheim, und die Maske malte ihm Falten und Altersflecken ins Gesicht. Über Howard, damals kaum älter als dreißig, sagte er später: „Er war ein Kind. Bei diesem Film ist er ganz schön gealtert.“ Die Fortsetzung Cocoon II – Die Rückkehr folgte 1988, und NBC baute ab 1986 die Familienserie Our House um ihn als verwitweten Großvater.

Das Image brachte Geld und kostete etwas. Ab 1987 machte ihn die Kampagne von Quaker Oats zum Gesicht des Slogans „It’s the right thing to do“, die Figur wurde zur Marke. Seine späteren Werbespots für Liberty Medical, einen Lieferdienst für Diabetikerbedarf, schenkten dem Internet „diabeetus“, ein Meme über seine Aussprache. Damit schrumpfte ein Mann, der seit 1979 mit Typ-2-Diabetes lebte, Veteranenkrankenhäuser besuchte, um Patienten zu beraten, und 2008 von der American Diabetes Association geehrt wurde, auf ein lustiges Wort. Die gemütliche Lesart übersieht zudem, wie oft Regisseure seine beruhigende Ausstrahlung gegen das Publikum wendeten. In Die Firma von 1993 ist er William Devasher, der leise sprechende Sicherheitschef einer mafianahen Kanzlei, und die Bedrohung wirkt gerade deshalb, weil er aussieht wie der Mann, der Tom Cruise beschützen sollte.

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Er arbeitete weiter, ohne Hollywood hinterherzulaufen. 1997 war er in Seinfeld der Generalpostmeister der Vereinigten Staaten, der Kramer so einschüchtert, dass dieser seinen Postboykott aufgibt, und in In & Out der Vater von Kevin Kline. Danach wandte er sich unabhängigen Produktionen zu, kehrte 2001 im Fernsehwestern Crossfire Trail mit Tom Selleck zurück und lieferte sich 2009 in Did You Hear About the Morgans? Wortgefechte mit Hugh Grant. Er sang auch: 2004 veröffentlichte er in Eigenregie ein Album mit Jazzstandards, This Time, The Dream’s On Me, 2013 nahm er mit Riders in the Sky Home on the Range auf. Die Golden Boot Awards, die Verdienste um den Western würdigen, zeichneten ihn 2005 aus.

Brimley war Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. 1956 heiratete er Lynne Bagley; das Paar hatte vier Söhne, sie starb im Jahr 2000. 2007 heiratete er Beverly Berry, mit der er zwischen Greybull in Wyoming und Santa Clara in Utah lebte; dort gründeten beide 2009 die gemeinnützige Organisation Hands Across the Saddle. Er starb am 1. August 2020 in einem Krankenhaus in St. George, Utah, im Alter von 85 Jahren nach zwei Monaten Nierenleiden.

Wer Das Ding aus einer anderen Welt und Cocoon hintereinander sieht, erkennt den Schauspieler hinter dem Schnurrbart. Die alten Männer, die Brimley spielte, waren die Rancharbeiter und Schmiede, mit denen er jahrzehntelang gearbeitet hatte, und er machte nie Folklore aus ihnen. Hollywood engagierte ihn als Trostspender; Bestand haben die Filme, die ihn hart sein ließen.

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