Fußball

WM 2026, Gruppe D: USA als Heimfavorit — Gülers Türkei sieht das anders

Jack T. Taylor

Gruppe D ist nicht das ruhige Freilos, das sich die Co-Gastgeber erhofft hatten. Die USA treffen auf die Türkei, die mit Arda Güler — 21 Jahre, Real Madrid, Champions-League-Entdeckung der Saison — eine 24-jährige WM-Abstinenz beendet. Dazu Paraguay, das Brasilien und Argentinien innerhalb von zwölf Monaten bezwang. Und Australien, das sich zum ersten Mal seit 2014 direkt qualifizierte — unter Tony Popovic, der acht Pflichtspiele in Folge ungeschlagen blieb.

Mauricio Pochettino verfügt über die nötige Qualität. Folarin Balogun erzielte in dieser Saison bei Monaco neunzehn Tore in allen Wettbewerben — ein Wert, der auf Champions-League-Niveau erarbeitet wurde. Weston McKennie und Tyler Adams bilden ein Mittelfeld mit Arbeitsmoral und Struktur. Christian Pulisic bleibt das Gravitationszentrum des Teams: Kapitän, kreativer Dreh- und Angelpunkt. Doch Pulisic kommt acht Länderspiele ohne Tor in dieses Turnier. Pochettino hat sein Vertrauen nicht verändert. Das Argument: Pulisic findet den großen Moment. Die Sorge: Dies ist der größte Moment — und der Lauf hält an.

Die einflussreichste Figur dieses Turniers könnte ein Türke sein. Güler schafft Torchancen auf eine Weise, die echte Ausnahmetalente auszeichnet: nicht indem er sich in Positionen begibt, sondern indem er Räume wahrnimmt, die für andere noch gar nicht existieren. Kenan Yildiz bei Juventus bringt Tempo und Tiefe. Hakan Çalhanoglu, Kapitän bei Inter Mailand, gibt dem Gerüst vor ihm die notwendige Stabilität — deutschen Fußballfans als einer der besten Sechser Europas bestens bekannt. Vincenzo Montella formte diese Türkei durch zwei knappe Playoff-Siege: 1:0 gegen Rumänien, 1:0 gegen den Kosovo. Diese Siege beschreiben genau das Profil eines Teams, das auch die Gastgeber im eigenen Haus in Schwierigkeiten bringen kann.

Das Paraguay von Gustavo Alfaro ist das schwerstgenommene Team in Gruppe D. Nur vierzehn Tore in achtzehn Qualifikationsspielen, aber auch nur zehn kassiert. Miguel Almirón presst unermüdlich. Gustavo Gómez führt die Abwehr mit der Disziplin, die man in Palmeiras einimpft. Die Siege über Brasilien und Argentinien in der südamerikanischen Qualifikation sind keine Fußnoten — sie belegen die Wettbewerbsfähigkeit. Australien unter Popovic zählt siebzehn WM-Debütanten, besitzt aber mit Mathew Leckie einen Veteranen bei seinem vierten Turnier und mit dem jungen Nestory Irankunda eine Wildcard-Schnelligkeit.

Die USA sollten Gruppensieger werden. Heimvorteil, FIFA-Ranking, Baloguns Tordrang, Pochettinos Kaderbau: Das Argument steht. Doch Gülers Türkei hat eine Struktur, eine taktische Disziplin und den besten jungen Spielmacher Europas. Das Eröffnungsspiel in Vancouver gegen Australien könnte die gesamte Gruppe formen, bevor die USA auch nur angepfiffen wurden. Der Fall für eine türkische Qualifikation neben den Gastgebern ist erheblich stärker, als die Setzliste vermuten lässt.

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