Kino

Bella Ramsey in „Sunny Dancer“: Krebscamp-Komödie ohne Rührseligkeit

Liv Altman

In den schottischen Highlands liegt ein Feriencamp, in dem jeder Jugendliche eine Krebserkrankung hinter sich hat. George Jaques’ Film „Sunny Dancer“ trifft von der ersten Szene an eine klare Entscheidung: Die Krankheit ist das Uninteressanteste an diesen Figuren. Die Kamera interessiert sich mehr dafür, wer in wen verliebt ist, als für irgendeine Krankenakte.

Im Zentrum steht Ivy, in Remission und wütend darüber, von ihren Eltern gegen ihren Willen ins Children Run Free Camp geschickt. Was folgt, steht näher an einer Coming-of-Age-Komödie als an einem Rührstück: erste Verliebtheiten, eine desaströse Talentshow, die speziellen Peinlichkeiten des Siebzehnseins unter Aufsicht Erwachsener. Jaques’ Wette lautet, dass Genesung keine Montage tapferer Gesichter ist, sondern eine unbeholfene, komische, manchmal beschämende Rückkehr in eine ganz normale Jugend. Der Ton schwankt bewusst zwischen breitem Witz und leiser Beobachtung, und die stärksten Szenen sind jene, die kein Spendenaufruf je verwenden würde.

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Die Besetzung von Bella Ramsey als Ivy ist die deutlichste Absichtserklärung des Films. Ramsey hat ihre Leinwandpräsenz auf Härte gebaut, die Kindkriegerin aus „Game of Thrones“ und die gepanzerte Überlebende aus „The Last of Us“, und „Sunny Dancer“ legt genau diesen Panzer Szene für Szene ab. Hier darf sie unglamourös, kleinlich, zärtlich und gelangweilt sein, ein gewöhnliches Mädchen statt ein Symbol der Widerstandskraft. Neben ihr spielen Neil Patrick Harris und Jessica Gunning die Erwachsenen, die das Camp leiten, während das Ensemble der jungen Darsteller genug Raum bekommt, um als Freundesgruppe zu wirken statt als Reihe von Krankheitsfällen. Ramseys Spiel lebt hier von kleinen Gesten statt großer Gefühlsausbrüche, und gerade diese Zurückhaltung trägt den Film.

Für Jaques ist es die zweite Regiearbeit, nach einem Debüt weitgehend außerhalb des Festivalbetriebs und als Schauspieler, der Jahre auf der anderen Seite der Kamera verbracht hat. Das merkt man dem Film an: Szenen tragen sich über Schweigen und falsches Timing, Pointen dürfen zu spät kommen. In Interviews hat er gesagt, der Krebs sei das Uninteressanteste an diesen Figuren gewesen, und die Inszenierung hält Wort. Das medizinische Material ist präsent, wird aber selten in den Mittelpunkt gerückt, sondern in den Alltag des Camps eingewoben, statt es mit anschwellender Musik anzukündigen.

Damit stellt sich „Sunny Dancer“ in eine lange und meist unglückliche Ahnenreihe. Der Jugend-und-Krankheit-Film hat seine eigene Grammatik, von der leuchtenden todgeweihten Romanze in „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ bis zur Galgenhumor-Komödie „50/50“, und die meisten Fehlschläge des Genres entstehen, wenn Sentiment mit Gefühl verwechselt wird. Jaques’ Vorbild liegt näher an der britischen Sozialrealismus-Tradition, die Wärme und Langeweile im selben Bild duldet, und an der älteren Ferienlager-Komödie, in der der Schauplatz nur dazu dient, ungleiche Kinder zusammenzuwürfeln und zuzusehen, was sich bildet. Es ist die vertraute Bewegung des Vergleichskinos: ein neuer Film, der seine Vorfahren kennt und sich bewusst gegen ihre Reflexe entscheidet.

Ob der Film diese Gewohnheiten ganz abstreift, steht auf einem anderen Blatt. Eine Komödie im Krebscamp ist nur einen Tonfehler von der Verniedlichung entfernt, und es gibt Passagen, in denen die Entschlossenheit, leicht zu bleiben, wie ein Ausweichen vor den härteren Szenen wirkt, die der Film sich erspielt hat. Die Berlinale-Resonanz war warm, doch Generation ist eine Jugendsektion, kein Wettbewerb, und das Wohlwollen eines Festivals überlebt den regulären Kinostart nicht immer. Am Ende bleibt die Frage, ob Zurückhaltung schon eine Haltung ist oder nur eine elegante Art, dem Schweren auszuweichen.

Bella Ramsey in the film Sunny Dancer, 2026
Bella Ramsey in Sunny Dancer (2026)

Das übrige Ensemble füllt Camp und Familie: James Norton und Jessica Gunning spielen Ivys Eltern, Daniel Quinn-Toye, Ruby Stokes, Earl Cave, Conrad Khan und Jasmine Elcock die wechselnden Freundschaften, die dem Film seine Form geben. Jaques schrieb auch das Drehbuch; produziert wurde über 27 Ten Productions, Athenaeum Productions und Night Train Media, den Weltvertrieb übernimmt Embankment Films. Gedreht in Schottland, läuft der Film 106 Minuten. Seine Weltpremiere feierte er als Eröffnungsfilm der Sektion Generation 14plus bei der 76. Berlinale am 13. Februar 2026, wo er für den Gläsernen Bären nominiert war.

In die deutschen Kinos kommt „Sunny Dancer“ am 13. August 2026. Für einen Film, der über seine gesamte Länge darauf beharrt, dass die Krankheit nicht der Punkt ist, wirkt der Spätsommertermin schlüssig: ein Start in der Ferienzeit für eine Geschichte über den Sommer, in dem eine Jugendliche aufhört, sich über das schlimmste Jahr ihres Lebens zu definieren.

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