Wirtschaft und Finanzen

Mattel verliert seinen Barbie-Chef an Paramount-Warner und holt den Condé-Nast-Chef

Ynon Kreiz, der Barbie ins Kino brachte, verlässt Mattel und wird Co-Chef des fusionierten Konzerns aus Paramount und Warner Bros. Discovery. Condé-Nast-Chef Roger Lynch übernimmt einen Spielzeughersteller, dessen Aktie in diesem Jahr ein Drittel verloren hat und dessen aktivistischer Aktionär einen Verkauf fordert.
Victor Maslow
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Der Manager, der Barbie zum Hollywood-Blockbuster machte, verlässt das Unternehmen, dem die Puppe gehört, und übernimmt die Leitung des Studios, das den Film herausgebracht hat. Ynon Kreiz tritt als Verwaltungsratsvorsitzender und CEO von Mattel zurück, um Co-CEO des fusionierten Konzerns aus Paramount und Warner Bros. Discovery zu werden. Mattel hat Roger Lynch, CEO von Condé Nast und langjähriges Mitglied des eigenen Verwaltungsrats, für seine Nachfolge gewonnen.

Für alle, die diesen Winter ein Hot-Wheels-Auto oder eine Barbie kaufen wollen, kommt der Wechsel zum ungünstigsten Zeitpunkt im Geschäftsjahr des Spielzeugherstellers. Das Weihnachtsgeschäft entscheidet über den größten Teil des Jahresumsatzes eines Spielzeugunternehmens. Mattel geht nun mit einem Übergangsmanager an der Spitze, einem Aktienkurs nahe dem Jahrestief und einem Anteilseigner in diese entscheidende Phase, der den Verwaltungsrat bereits aufgefordert hat, einen Verkauf des gesamten Unternehmens zu erwägen.

Kreiz kann eine beachtliche Bilanz vorweisen. Mattel zufolge ist das Unternehmen inzwischen weltweit führend bei Puppen und Spielzeugfahrzeugen, und Hot Wheels steuert auf das neunte Wachstumsjahr in Folge zu. Der erste Film des Unternehmens, Barbie, spielte 2023 weltweit rund 1,4 Milliarden Dollar ein und wurde zum erfolgreichsten Film, den Warner Bros. Pictures je veröffentlicht hat.

Am Markt hat sich diese Erfolgsgeschichte nie ausgezahlt. Mattels Aktien haben in diesem Jahr rund ein Drittel ihres Werts eingebüßt und gaben nach Bekanntgabe des Führungswechsels um etwa 4 Prozent nach. Im Mai veröffentlichte Southeastern Asset Management, das für seine Kunden mehr als 4 Prozent der Aktien verwaltet, einen offenen Brief. Darin forderte der Vermögensverwalter den Verwaltungsrat auf, einen Verkauf zu prüfen, und nannte als Möglichkeiten eine Übernahme durch einen Private-Equity-Investor, eine Fusion mit Hasbro oder einen Medienkonzern, der die Marken höher bewerten würde als öffentliche Anleger. Ein Medienkonzern meldete tatsächlich Interesse an. Er stellte stattdessen den CEO ein.

Die Lücken in der Strategie sind erkennbar. Eine Fortsetzung von Barbie ist laut Deadline wegen des Budgets ins Stocken geraten, und der Hot-Wheels-Film befindet sich weiterhin in Entwicklung. Damit ist die Filmproduktion, die die Strategie rechtfertigen sollte, ins Stocken geraten. Im zweiten Quartal stieg der Nettoumsatz zwar um rund 10 Prozent auf etwa 1,1 Milliarden Dollar, doch Mattel rutschte von einem Gewinn von 53 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum in einen Verlust von 18 Millionen Dollar. Höhere Importkosten und teureres Kunstharz belasteten das Geschäft, das den Großteil seiner Spielzeuge in Asien herstellen lässt. Analysten von UBS schrieben, der Wechsel bringe zusätzliche Unsicherheit in eine ohnehin nervöse Anlegerstimmung – bei steigenden Zinsen und einem Geschäftsjahr, dessen Gewicht auf dem vierten Quartal liegt.

Lynch bringt Erfahrung aus der Medienbranche mit, nicht aus der Spielzeugindustrie. Er war Gründungs-CEO von Sling TV, leitete Pandora und führt Condé Nast, den Verlag von Vogue und The New Yorker, durch sinkende Printwerbeeinnahmen und den Verlust von Web-Traffic an KI-Chatbots. Bei Condé Nast steht mit Mike Perlis inzwischen ein Interimschef an der Spitze; die Suche nach einem Nachfolger läuft.

Aus Mattels Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission geht hervor, was die Verpflichtung Lynchs kostet. Ab 2027 erhält er ein Grundgehalt von 2,3 Millionen Dollar und kann eine Zielprämie in doppelter Höhe erreichen. Hinzu kommen eine einmalige Barzahlung von 10,6 Millionen Dollar, sofort unverfallbare gesperrte Aktien im Wert von 6 Millionen Dollar sowie eine aktienbasierte Vergütung von 10 Millionen Dollar – als Ausgleich für Vergütungen, auf die er bei Condé Nast verzichtet. Weitere Aktien im Wert von 6 Millionen Dollar werden nur dann unverfallbar, wenn Mattels Aktionärsrendite über drei Jahre besser ausfällt als bei mindestens 55 Prozent der Unternehmen im S&P 500. Außerdem erhält Lynch 985.000 Dollar für Umzug und vorübergehende Unterkunft.

Kreiz tritt am 2. Oktober zurück; an diesem Tag wird Lynch Verwaltungsratsvorsitzender. Als CEO übernimmt Lynch zu einem noch festzulegenden Termin, spätestens jedoch am 2. November. Bis dahin ist Jonathan Anschell, Mattels Chefjustiziar und früherer Anwalt von ViacomCBS, kommissarischer CEO. Kreiz wechselt am 5. Oktober zu Paramount und wird mit dem Abschluss der Übernahme von Warner Bros. Discovery, den Paramount in seinen Unterlagen für den 6. Oktober ansetzt, Co-CEO und Mitglied des Verwaltungsrats. David Ellison behält die Verantwortung für Strategie, kreative Ausrichtung und Kapitalallokation; Kreiz übernimmt das Tagesgeschäft und die Integration.

Wenn Lynch sein Büro in El Segundo bezieht, werden die diesjährigen Weihnachtsspielzeuge bereits in den Regalen stehen – und der Mann, der Barbie zu Warner Bros. brachte, wird Warner Bros. leiten.

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