Kino

George Michael: The Faith Tour zeigt die Pariser Konzerte, die auf 35 mm im Archiv lagen

Camille Lefèvre
Fügen Sie uns bei Google hinzu

Vierzehn Kameras mit Kinofilm waren an zwei Abenden im Palais Omnisports de Paris-Bercy auf George Michael gerichtet, genau in dem Moment, als Faith den früheren Wham!-Sänger zum Solo-Superstar gemacht hatte. Dann wurde es still um die Filmrollen. Kein Konzertfilm, kein Livealbum, kein offizielles Video. George Michael: The Faith Tour, der aus diesem Material restaurierte Film, ist diese Woche in britischen, irischen und mehreren europäischen Kinos gestartet, fast vier Jahrzehnte nach den Konzerten, die er zeigt.

Für eine Kritikerin aus Paris ist der Ort die halbe Geschichte: Bercy, der Betonbau im Osten der Stadt, der heute Accor Arena heißt, war gerade vier Jahre alt, als Michael dort auftrat. Die andere Hälfte ist der Schnitt. Ein Film aus zwei Abenden und vierzehn Blickwinkeln ist nie die Aufzeichnung eines Konzerts. Er ist eine Behauptung über ein Konzert, und diese Behauptung stammt von genau den Leuten, die Michaels Bild überhaupt erst geprägt haben: dem Musikvideo-Regisseur Andy Morahan und dem langjährigen Weggefährten David Austin. Der Film will einen Popstar in voller Kraft zeigen. Warum dieser Star nie wieder eine solche Show auf die Bühne brachte, kann er nicht zeigen.

YouTube Video

Ein Name im Abspann, ein Bild auf dem Plakat

Der Abspann führt einen einzigen Darsteller, George Michael, in Archivaufnahmen, und die Kampagne hat ihr Bild danach ausgewählt. Das Werbemotiv oben auf dieser Seite zeigt ihn mitten im Song in der Hocke, das Mikrofon erhoben, eine schwarze Lederjacke rutscht über einem weißen Unterhemd von der Schulter, ein Kreuz hängt an seinem Ohr, und hinter ihm schrumpft die Halle zu einem dunklen Feld aus Lichtpunkten. Das ist die Faith-Figur in einem einzigen Bild, Dreitagebart, Leder, zerrissene Jeans, und der Start verkauft sie ohne jede Ironie. Die Ironie liegt beim Mann selbst. Ein langer Essay des Rolling Stone über die Tour, erschienen in der italienischen Ausgabe des Magazins, vertritt die These, dass Michael sich nur dieses eine Mal ganz mit der Rolle des sexy Popidols auf der Bühne identifizierte, und danach nie wieder.

Morahans Werkliste erklärt das Bild. Er drehte die Videos zu Faith, Careless Whisper und Last Christmas und half damit, die Bildsprache zu erfinden, die dieser Film nun restauriert. Austin inszenierte George Michael Freedom Uncut und George Michael at the Palais Garnier, Paris. Die großen Konzertfilme haben Autoren: Jonathan Demme baute Stop Making Sense als eine einzige, sich steigernde Inszenierung, Prince verlegte Sign o‘ the Times in ein Studio, um ihn zu kontrollieren, D.A. Pennebaker filmte, wie Bowie vor Publikum Ziggy Stardust in den Ruhestand schickte. The Faith Tour gehört zu einer jüngeren Gattung, dem postumen Archivschnitt, bei dem sich die Autorschaft auf die Kameraleute eines Pariser Frühlings und einen Schneideraum Jahrzehnte später verteilt, mit Ben Wainwright-Pearce als Editor.

Was die Setlist behauptete

Schon die Konzerte vertraten eine These, und der Film übernimmt sie. Die Faith Tour umfasste 109 Shows in 16 Ländern, choreografiert von Paula Abdul, und sie war Michaels erste Tour ohne Wham!. Trotzdem verleugnete die Setlist das Duo nicht. Laut Rolling Stone begann sie mit I Want Your Sex und Hard Day, schwenkte sofort zu Everything She Wants und I’m Your Man und ließ Raum für die Soulplatten, die er liebte: Stevie Wonders Love’s in Need of Love Today, LaBelles Lady Marmalade, Wild Cherrys Play That Funky Music. Einen Wham!-Hit wollte er überhaupt nicht singen: Wake Me Up Before You Go-Go. Das 18 Titel starke Livealbum zum Film bewahrt diese Coverversionen neben Father Figure, One More Try, Monkey, A Different Corner und Careless Whisper, alle aus den Pariser Konzerten vom 30. und 31. Mai 1988.

Was eine Restaurierung nicht klären kann

Nichts davon garantiert einen guten Film. Eine der ersten Kritiken, die der französischen Website AVCesar nach einer Vorpremiere Ende Oktober, fiel offen aus: Sie fand die Inszenierung nach heutigen Maßstäben minimalistisch, Bild und Ton flach, die Band ins Dunkel gerückt, damit nur der Sänger im Licht steht, und Abduls Choreografien stark gealtert, räumte aber ein, dass der letzte Teil des Konzerts die Zuschauer schließlich mitreißt. Dazu kommt eine strukturelle Grenze. Es ist eine Nachlassproduktion, hergestellt von George Michael Entertainment mit Globe Originals und Mercury Studios und inszeniert von Vertrauten, und ein autorisierter Schnitt des Höhepunkts wird kaum bei dem verweilen, was der Rolling-Stone-Essay als dessen Preis beschreibt: ein Mann, der seine Homosexualität verbarg und in einem zutiefst homophoben Jahrzehnt das Pin-up der Welt spielte. Auch der Kalender legt eine Lesart nahe. Der nordamerikanische Start liegt zwei Wochen vor dem zehnten Todestag Michaels am ersten Weihnachtstag, eine Deluxe-Box steht bereits in den Läden.

Black and white image of George Michael kneeling on stage with a microphone in the concert film George Michael: The Faith Tour
George Michael on stage in George Michael: The Faith Tour (2026)

Morahan und Austin teilen sich die Regie. Vor dem Hauptfilm läuft Finding Faith, ein eigens gedrehter Kurzfilm von Mary McCartney, der die Tour einordnet, und die Veröffentlichung stützt sich zudem auf ein bislang unveröffentlichtes Interview mit Michael, Fotografien von Herb Ritts und Aufnahmen vom Dreh des Faith-Videos. Der Ton wurde in den Abbey Road Studios neu gemischt, laut einem IMAX-Werbeclip. Universal Pictures Content Group verantwortet den internationalen Start; Crosswalk, die Event-Kino-Sparte von Bleecker Street, hat Nordamerika, wo IMAX exklusive Vorab-Vorführungen zeigt. Der Film läuft 113 Minuten. Die Restaurierung geht vom 35-mm-Material aller 14 Kameras aus.

George Michael: The Faith Tour feierte am 27. Oktober 2026 in London Weltpremiere, läuft seit dem 6. November 2026 in Großbritannien und Irland und startet am 12. November 2026 in den deutschen und österreichischen Kinos; in den USA folgt der Start am 11. Dezember. Das Livealbum, ebenfalls The Faith Tour, ist am 6. November bei George Michael Entertainment und Sony Music erschienen, bis hin zu einer Box mit einem 136-seitigen Buch voller unveröffentlichter Tourfotos. Jeden Abend dieser Tour sang Michael in Faith davon, einem Liebhaber die Tür zu zeigen. Bald erwies er der Rolle des Popidols denselben Dienst, und dieser Film lässt zum ersten Mal wieder jemanden herein.

Schlagwörter: , , , , ,

Fügen Sie uns bei Google hinzu

Diskussion

Es gibt 0 Kommentare.