Fußball

Champions League 2026/27 zur Halbzeit: Die großen Klubs in Gefahr im Ranking, und Neapel steht vor dem steilsten Anstieg

Kenji Nakamura
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Napoli reiste nach Porto und brauchte ein Erfolgserlebnis – doch am Ende entschied die Mannschaft die Partie bei den Eckbällen für sich. Zwei Standards, zwei polnische Innenverteidiger, die sich im Strafraum hochschraubten: Für ein Team, dessen Trainer zuvor erklärt hatte, das europäische Schicksal liege in den eigenen Händen, blieben eine Rote Karte, eine deutliche Niederlage und ein Platz im unteren Tabellendrittel der Champions League. Zur Halbzeit der Ligaphase stehen nun mehrere große Namen des europäischen Fußballs dort.

Die Tabelle führt sie in derselben Gruppe, und aus der Distanz wirken ihre Krisen ähnlich. Das sind sie aber nicht. In dieser Rangliste werden sechs Klubs danach beurteilt, wie groß die tatsächliche Gefahr ist, die Top 24 zu verpassen. Dabei zählen zwei Faktoren: Liegt das Problem in der Struktur der Mannschaft oder lediglich in den Ergebnissen? Und wie schwer sind die vier verbleibenden Partien? Napoli steht an erster Stelle. Atlético Madrid, mit den wenigsten Toren in dieser Gruppe, aber dem leichtesten Restprogramm, bildet den Abschluss.

1. Napoli: Schwächen bei Standards in beiden Strafräumen

Drei Punkte aus vier Spielen, Platz 27, elf Gegentore. Die Niederlagen verliefen unterschiedlich, doch eine Schwäche zieht sich durch alle: Napoli verliert die Hoheit im Strafraum. In Porto köpfte Jan Bednarek nach elf Minuten eine Ecke von Gabri Veiga ins Tor. Scott McTominay glich noch vor der Pause aus, ehe Veiga einen Konter von Porto abschloss und Jakub Kiwior nach 80 Minuten eine Ecke von Hwang In-beom einköpfte. Porto kam auf 19 Torschüsse, Napoli auf elf. Gegen Bodø/Glimt, im einzigen gewonnenen Spiel, kassierte Napoli trotzdem drei Gegentore; das letzte fiel nach einer Ecke in der Nachspielzeit. Gegen Arsenal brachte Napoli fünf Schüsse zustande, der Gegner 26.

Massimiliano Allegri gab das Ziel vor der Reise selbst aus: „Mit zehn Punkten können wir uns für die Play-offs qualifizieren“, sagte er zu Sky Sport Italia und fügte hinzu, es fehlten „einige Kleinigkeiten“. Napoli braucht nun sieben Punkte aus den Partien bei Manchester City, zu Hause gegen Club Brugge, auswärts gegen Sabah und daheim gegen Viking. Die Reihenfolge ist das Problem. Zum Auftakt der entscheidenden Phase geht es ins Etihad, und Rafa Marín fehlt nach seinem Platzverweis in Porto. Zudem hat die Mannschaft gerade in der Liga gegen Juventus verloren, nachdem sie in Unterzahl geraten war. Die letzten drei Partien scheinen gewinnbar. Doch wenn eine Abwehr bei ruhenden Bällen Gegentore kassiert, ist kein Spiel sicher.

2. Villarreal: Eine Abwehrreihe, die unter Druck nachgibt

Villarreal hat in vier Spielen 14 Gegentore kassiert – mehr als jede andere Mannschaft im Wettbewerb außer Lens und Slovan Bratislava. In jeder der drei Niederlagen ließ das Team mindestens drei Tore zu. An der Anfield Road führte Villarreal mit 2:0 und verlor mit 3:4. Im Heimspiel gegen Paris Saint-Germain lag das Team nach 17 Minuten bereits mit vier Toren zurück. Laut Opta waren das die schnellsten vier Tore in der Geschichte der Champions League. Am Ende hatte Villarreal nur 29 Prozent Ballbesitz und brachte zwei Schüsse aufs Tor.

Die Niederlagen folgen demselben Muster: Sobald die Gegner Läufe hinter das Mittelfeld ansetzen, fällt die Abwehr zurück und der Raum vor ihr öffnet sich. Villarreal kann Tore schießen – acht in vier Partien –, aber das Team schafft es nicht, das Tempo aus einem Spiel zu nehmen. Das Restprogramm ist angenehmer als das von Napoli: auswärts bei Slavia Prague, zu Hause gegen Sabah, auswärts bei Fenerbahçe und am letzten Spieltag zu Hause gegen Manchester United. Villarreal braucht Siege. Eine Mannschaft, die so viele Gegentore zulässt, muss dafür aber mehr Tore schießen als alle anderen.

3. Roma: Zwei-Tore-Führungen, die nicht reichen

Roma liegt mit vier Punkten auf Platz 20, doch die Tabelle beschönigt die Lage nicht. Das Team hat zehn Tore geschossen, mehr als die meisten Mannschaften in seiner Nähe, und gegen einen großen Klub zweimal eine Führung von zwei Toren herausgespielt. Beide Male verlor Roma trotzdem. Gegen Real Madrid führte die Mannschaft eine halbe Stunde vor Schluss mit 3:1, kassierte dann aber in den letzten acht Minuten drei Tore – alle nach Situationen bei Eckbällen. Im Old Trafford lag Roma nach 17 Minuten mit 2:0 vorne und verlor mit 2:3.

Ein Teil davon lässt sich mit den Umständen erklären: Roma reiste mit Ausfällen nach Manchester und musste mit Devis Vásquez den dritten Torhüter aufbieten. Doch beide zweiten Halbzeiten zeigen eine Mannschaft, die sich nach einer Führung weiter zurückfallen lässt und anschließend den eigenen Strafraum nicht mehr freibekommt. Als Nächstes steht das Auswärtsspiel bei Paris Saint-Germain an. Danach folgen Sporting CP zu Hause, AEK Athens auswärts und Lille daheim. Drei dieser Spiele sind gewinnbar. Deshalb steht Roma in der Rangliste vor Villarreal. Die späten Einbrüche sind jedoch ein strukturelles Problem und kein bloßes Pech.

4. RB Leipzig: Eine schlechte Ausgangslage nach einem schweren Auftaktprogramm

Leipzig steht mit drei Punkten und einer Tordifferenz von minus sechs auf Platz 30 – das klingt nach einer Krise. Doch ein Blick auf die Gegner hilft bei der Einordnung: Como, Real Madrid und Manchester City sind für alle drei Niederlagen verantwortlich. Gegen City hatte die Mannschaft von Martin Demichelis am Mittwoch zwar nur 35 Prozent Ballbesitz, kam aber auf 14 Schüsse, glich zweimal aus und traf den Pfosten, ehe Erling Haaland spät den Siegtreffer erzielte. Leipzig wirkt wie ein Team, das weiß, wie es nach einem Ballgewinn schnell nach vorne spielen muss.

Die elf Gegentore geben Anlass zur Sorge, denn eine Mannschaft, die auf Umschaltspiel setzt, lässt Räume hinter sich, wenn der Gegenangriff scheitert. Doch der schwierige Teil des Programms ist vorbei. Lens zu Hause, Manchester United auswärts, Shakhtar Donetsk daheim und Feyenoord auswärts: Dieses Restprogramm sollte eine Mannschaft, die so gut spielt, bewältigen können. Die Ausgangslage ist schlecht, der Trend weniger besorgniserregend.

5. Porto: Knappe Niederlagen und eine gefährliche Waffe bei Standards

Porto verlor die ersten drei Spiele und liegt immer noch nur auf Platz 26, hat aber sieben Gegentore kassiert – weniger als jedes andere Team auf dieser Liste außer Atlético. Die Niederlagen fielen knapp aus: 0:2 gegen City, 2:3 bei Real Betis und 0:1 zu Hause gegen PSV. Vor der Partie gegen Napoli hatte Porto außerdem zehn Ligaspiele in Folge gewonnen. Das Spiel zeigte, was Francesco Farioli aufgebaut hat: eine gefährliche Variante bei Standards und eine Mannschaft, die schnell kontern kann.

Auch das Restprogramm kommt Porto entgegen. Als Nächstes geht es auswärts zu Feyenoord, danach folgt die einzige schwere Reise nach Liverpool. Anschließend spielt Porto zu Hause gegen Slavia Prague und auswärts gegen LASK. Die Gefahr ist für Porto nur dann wirklich groß, wenn die Mannschaft weiterhin knappe Spiele verliert. Die Struktur stimmt.

6. Atlético Madrid: Wenig Gefahr im Angriff, aber das leichteste Restprogramm

Atlético hat in vier Spielen vier Tore erzielt – weniger als jedes andere Team auf dieser Liste. Im Heimspiel gegen Bayern Munich am Dienstag hatte die Mannschaft 41 Prozent Ballbesitz und neun Schüsse. In der zweiten Halbzeit kassierte sie zwei Tore gegen ein Bayern-Team, bei dem Vincent Kompany an der Seitenlinie, Jamal Musiala und Luis Díaz fehlten. Der 18-jährige Lennart Karl erzielte das erste Tor nach einem Fehler von Atlético. Die Mannschaft von Diego Simeone verteidigt gut genug; das Problem ist, was sie mit dem Ball macht.

Atlético steht mit vier Punkten auf Platz 23 und hat das leichteste Restprogramm der sechs Teams: zu Hause gegen Viking, auswärts bei PSV und Bodø/Glimt sowie daheim gegen Fenerbahçe. Eine Mannschaft, die so gut verteidigt, kann diese Spiele überstehen, auch wenn die Tore weiter ausbleiben. Deshalb steht Atlético am Ende der Rangliste.

Was die Tabelle verschweigt

Bei noch vier Spieltagen ziehen die ersten acht direkt ins Achtelfinale ein, die Plätze neun bis 24 gehen in die Play-offs, und die letzten zwölf scheiden aus. Am Ende entscheiden Punkte über das Weiterkommen, doch die Struktur jeder Mannschaft entscheidet darüber, wie viele Punkte sie holt. Napoli und Villarreal haben defensive Probleme, die sich auch durch den Spielplan nicht kaschieren lassen. Bei Roma zeigt sich das Problem erst, wenn die Mannschaft in Führung liegt. Leipzig, Porto und Atlético stehen vor allem wegen ihrer Gegner und ihrer Chancenverwertung schlecht da – und das lässt sich leichter beheben.

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