Filmkritiken

Die Hart zeigt, dass Kevin Harts Selbstironie nur in kleinen Dosen zündet

Eric Appels Neuschnitt der Quibi-Serie von 2023 mit John Travolta und Nathalie Emmanuel.
Martha O'Hara
Fügen Sie uns bei Google hinzu

Kevin Hart stolpert über einen Schrotthaufen aus Action-Klischees und holt zum Roundhouse-Kick aus. Das Ergebnis ist eine Comedy-Action-Mischung, die zwischen Selbstironie und peinlicher Selbstüberschätzung pendelt. Eric Appel hat aus der Quibi-Serie von 2020 einen Film gebastelt, der sich redlich Mühe gibt – aber leider nur selten trifft.

Die Grundidee ist charmant: Hart spielt eine fiktionalisierte Version seiner selbst, einen Komiker, der es als Action-Star versuchen will. Nach einem Talk-Show-Fiasko, das seine Karriere in den Abgrund stürzt, bekommt er die Chance auf eine Rolle in einem Actionfilm des Regisseurs Claude Van De Velde (Jean Reno) – unter der Bedingung, dass er sich zuvor im harten Trainingscamp von Ron Wilcox (John Travolta) beweist. Hier wird gerannt, geschossen und gekämpft, während Hart verzweifelt versucht, nicht wie ein Clown auszusehen. Die besten Momente entstehen aus diesem Kontrast: wenn der kleine Hart gegen die großen Action-Klischees anrennt oder wenn Travolta ihn mit stoischer Miene durch das Programm peitscht.

YouTube Video

Doch wo die Vorlage vielleicht als lockere Episodenware funktionierte, wirkt der Film zu oft wie eine schleppende Montage einzelner Szenen. Die Handlung besteht hauptsächlich aus Trainingssequenzen und Dialogen über Action-Tropes – wobei einige Witze tatsächlich sitzen, allen voran Nathalie Emmanuels plötzlicher Akzentwechsel als Jordan King. Jean Reno steuert als europäischer Regisseur immerhin eine Prise absurden Charme bei, auch wenn seine Figur über diese eine Note kaum hinauskommt.

Das Grundproblem: Der Film weiß nicht, was er sein will. Mal versucht er, sich über Actionfilme lustig zu machen, was streckenweise funktioniert. Mal will er selbst ein halbwegs ernstzunehmender Actionfilm sein, was nicht funktioniert. Die Kampf- und Verfolgungssequenzen sind weder besonders spektakulär noch besonders witzig – sie wirken schlicht billig. Hart ist zwar sichtlich engagiert, doch seine Performance bleibt zu oft an der Oberfläche, obwohl gerade das Spiel mit seiner eigenen Person – dem echten Kevin Hart, der einen fiktionalisierten Kevin Hart spielt – reichlich Raum für Selbstironie geboten hätte. Der Film nutzt diese Gelegenheit selten konsequent und flüchtet sich stattdessen in klischeehafte Gags, die weder besonders originell noch besonders komisch sind.

Zur Genre-Mischung aus Komödie, Action und Thriller trägt vor allem bei, dass der Film Harts Weg explizit als lebensgefährliche Unternehmung verkauft: Er soll sich vom Stand-up-Comedian zum echten Actionhelden wandeln, koste es, was es wolle. Genau in diesem Spannungsfeld zwischen komischer Figur und angeblich tödlichem Ernst hätte mehr stecken können, als der Film am Ende einlöst.

Die Dynamik zwischen Hart und Travolta hätte mehr Potenzial gehabt, doch die Chemie kommt nie richtig zum Kochen. Travoltas stoische Präsenz sorgt für einige Lacher, seine Figur bleibt aber eindimensional – der Trainer, der seinen Schützling verachtet und ihn irgendwann respektiert, ein Bogen, der hier kaum mehr als angedeutet wird. Emmanuel bringt als Jordan King etwas Frische ins Geschehen, ihre Figur bleibt aber blass und dient vor allem als Stichwortgeberin. Josh Hartnett hat als er selbst kaum Substanz und wirkt wie ein Gaststar, der nur kurz vorbeischaut.

Die Herkunft des Films erklärt einiges: Ursprünglich als Quibi-Serie konzipiert, wurde „Die Hart“ nach dem plötzlichen Ende des Streaming-Dienstes zu einem Spielfilm ummontiert. Diese Entstehungsgeschichte merkt man der Dramaturgie an jeder Ecke an. Die Handlung wirkt oft wie eine Aneinanderreihung von Sketchen ohne echten narrativen Bogen, gedacht für kurze, in sich geschlossene Häppchen und nicht für die Sitzlänge eines Spielfilms. Die Serie erhielt immerhin sieben Nominierungen bei den Primetime Emmy Awards für die schauspielerischen Leistungen, was zeigt, dass Hart, Travolta und ihre Kollegen im Kleinformat durchaus überzeugen konnten – im Filmformat dagegen geht dieser Eindruck über weite Strecken verloren, weil der Spannungsbogen fehlt, der einen Spielfilm zusammenhält.

Am Ende überzeugt „Die Hart“ nicht als das, was er sein will. Statt einer eigenständigen Actionkomödie mit klarem Rhythmus bekommt man eine notdürftig zum Kinofilm zusammengeschnittene Fernsehserie, der man die Nähte an jeder Kante ansieht. Die wenigen Szenen, in denen Hart sich selbst mit echtem Biss durch den Kakao zieht – etwa wenn er verzweifelt wie ein Bruce Willis oder ein Jean-Claude Van Damme wirken will –, zeigen kurz, wozu der Stoff fähig gewesen wäre. Der fertige Film bleibt hinter diesen Momenten weit zurück und ist am Ende schlicht zu dünn geraten, um eine Kinokarte zu rechtfertigen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

Schlagwörter: , , , , ,

Fügen Sie uns bei Google hinzu

Diskussion

Es gibt 0 Kommentare.