Kino

Ismael Cruz Córdova: Erst Sesamstraße-Zuschauer, dann Tolkien-Elf

Penelope H. Fritz
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Ismael Cruz Córdova
Ismael Cruz Córdova
Photo: Kevin Paul / CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Geboren7. April 1987
Aguas Buenas, Puerto Rico
BerufSchauspieler
Bekannt fürMaria Stuart, Königin von Schottland, Miss Bala, Finestkind

Die Nachrichten kamen immer mit denselben Worten: Du kannst kein Elf sein, weil du nicht weiß bist. Ismael Cruz Córdova hat diesen Satz in Interviews nahezu wörtlich wiederholt, weil er am klarsten zusammenfasst, worauf er sich einließ, als Amazon ihn als Arondir besetzte, einen silvanischen Elfensoldaten in Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht. Lange vor der ersten Folge hatte die Hetze die Kommentarspalten verlassen. Sein Telefon wurde gehackt, sein Bankkonto und sein PayPal-Zugang ins Visier genommen, Fremde fanden seine Adresse heraus und schickten ihm Post. Seine Antwort, so erzählt er es, bestand darin, den elbischsten Elfen zu spielen, den man je auf dem Bildschirm gesehen hatte.

Diese Beharrlichkeit ist das, was bei ihm einer Methode am nächsten kommt, und sie erklärt eine Laufbahn voller Figuren, die einen Teil des Publikums verunsichern. Sie beginnt in Aguas Buenas, einem Bergort südlich von San Juan, wo er am 7. April 1987 zur Welt kam und in Armut aufwuchs, in einem Haus mit Lehmboden und ohne Badezimmer im Inneren. Er war der einzige Junge in einem Haushalt voller Schwestern, Tanten und Cousinen, ein Umstand, der ihm später den Schlüssel zu einer seiner besten Rollen liefern sollte. Seine Mutter schaltete die Sesamstraße ein, damit er Englisch lernte.

Mit fünfzehn trat er der Theatergruppe seiner Schule bei und drehte bald lokale Werbespots sowie puerto-ricanische Filme wie Bala perdida und El cuerpo del delito. 2006 zog er nach New York, um an der Tisch School of the Arts der New York University zu studieren, die er 2009 abschloss, nachdem er im letzten Studienjahr als Betreuer in einem Wohnheim für Erstsemester gearbeitet hatte. Es folgten Gastrollen, darunter Auftritte in The Good Wife. Dann schloss sich ein Kreis, wie es nur wenigen Schauspielern vergönnt ist: Im September 2013 kam er als Armando, genannt Mando, zur Sesamstraße, ein junger Latino-Autor mit Faible für Technik, der den Muppets das Reimen auf Spanisch beibrachte.

Zum Kino fand er über sorgfältig gewählte Nebenrollen. Ang Lee besetzte ihn als Sergeant Holliday in Die irre Heldentour des Billy Lynn, bei Showtime spielte er in vier Folgen von Ray Donovan den Hector Campos. Der Durchbruch war David Rizzio in Josie Rourkes Maria Stuart, Königin von Schottland: Sekretär und Vertrauter der Königin, ein Mann, der sich mühelos zwischen Männlichem und Weiblichem bewegt und von Höflingen ermordet wird, die seine Nähe zu ihr nicht ertragen. Cruz Córdova erklärte dem Magazin The Advocate, er habe Rizzio über die eigene Kindheit verstanden. „Ich bin nur unter Frauen aufgewachsen“, sagte er.

Danach schlug er die Gegenrichtung ein. In Catherine Hardwickes Miss Bala spielte er Lino Esparza, den Anführer des Kartells Las Estrellas, einen Mann, der ohne Papiere in Bakersfield gelebt hatte, bevor man ihn abschob und er in die Kriminalität abrutschte. Das Fernsehen blieb an ihm dran: ein Gefangener namens Qin in einer Folge von The Mandalorian, Fernando Alves in der HBO-Serie The Undoing, der trauernde und unberechenbare Ehemann der ermordeten Frau im Zentrum der Handlung, dazu eine Rolle in Guillermo del Toro’s Cabinet of Curiosities.

Mit Arondir änderte sich die Größenordnung. Anders als die Elben aus Peter Jacksons Trilogie, fast alle von Adel, ist Arondir ein einfacher Soldat in den Südlanden, verliebt in eine menschliche Heilerin. Amazon nahm die Reaktionen ernst genug, um eigens therapeutische Betreuung am Set zu engagieren, wie Cruz Córdova später Variety erzählte. Für die zweite Staffel trainierte er intensiv Kampfkunst und Stunt-Choreografie und bestritt mit Elrond eine der größten Actionszenen, den Kampf gegen einen Hügeltroll.

Der unbequeme Teil dieser Geschichte: Die Besetzungsdebatte hat die Arbeit oft verschluckt. Zwei Staffeln lang wurde mehr darüber gestritten, wer Arondir spielen dürfe, als darüber, was er aus der Figur machte, und Cruz Córdova verbrachte einen guten Teil seiner Interviews damit, seine eigene Anwesenheit zu verteidigen, statt über Schauspiel zu sprechen. Seine Filmwahl half nicht immer. Miss Bala erhielt Kritiken, die an der Glaubwürdigkeit zweifelten, und The Pickup, Tim Storys Raubüberfall-Komödie mit Eddie Murphy und Pete Davidson, in der er Miguel spielte, wurde beim Start auf Prime Video im August 2025 weitgehend verrissen. Hinzu kommt ein Muster: der Ehemann, der Ex, der Mann am Rand der Geschichte einer anderen Figur. Am Talent liegt es nicht; die Branche weiß offenbar noch nicht, was sie um ihn herum bauen soll.

2026 ist das bislang vollste Jahr seiner Karriere. Im Februar veröffentlichte Prime Video The Bluff, Frank E. Flowers’ von AGBO produzierten Piratenthriller, mit Cruz Córdova als T.H. Bodden, Ehemann der von Priyanka Chopra Jonas gespielten Ex-Freibeuterin. Im März feierte He Bled Neon, Drew Kirschs Krimidrama mit Joe Cole und Rita Ora, beim SXSW-Festival Premiere, er spielt darin Luis. Beim Los Angeles Latino International Film Festival stellte er They Killed Pedro vor, einen Kurzfilm von Kristian Mercado, unter anderem von John Leguizamo produziert, in dem er den puerto-ricanischen Nationalistenführer Pedro Albizu Campos während der Zuckerrohrstreiks der 1930er-Jahre verkörpert.

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Am 2. Oktober kam Verity – Dunkle Geheimnisse in die Kinos. In Michael Showalters Verfilmung des Romans von Colleen Hoover ist er Corey, Literaturagent und früherer Liebhaber von Dakota Johnsons Lowen, an der Seite von Anne Hathaway und Josh Hartnett. Das Angebot erreichte ihn, als er sich in Puerto Rico erholte; er nahm der Figur die Krawatte ab und spielte sie, wie er dem Portal Culturizando sagte, verschmitzter und koketter als in der Vorlage. Seinen Stolz auf die Herkunft, betonte er dort, nehme ihm niemand.

Als Nächstes geht es zurück nach Mittelerde. Die dritte Staffel von Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht startet am 11. November bei Prime Video mit vier Folgen, zwei weitere folgen am 18. November, die letzten beiden am 25. November. „Es geht sofort heiß los“, versprach er gegenüber Latin Times. Parallel dreht er in der Dominikanischen Republik Porto Rico, das Regiedebüt von Residente über den Revolutionär José Maldonado Román, genannt Águila Blanca, mit Bad Bunny in der Hauptrolle sowie Viggo Mortensen und Edward Norton. „Das ist historisch“, sagt er über die Produktion. Für einen Schauspieler, dem man erklären wollte, wie ein Elf nicht aussehen darf, ist ein puerto-ricanisches Epos dieser Größe eine Antwort ganz eigener Art.

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