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Sujoy Ghosh: Der Kahaani-Regisseur schreibt King für Shah Rukh Khan – Regie führt ein anderer

Penelope H. Fritz
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Sujoy Ghosh
Sujoy Ghosh
Photo: Bollywood Hungama / CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Geboren21. Mai 1966
Kolkata, Westbengalen, Indien
BerufFilmregisseur
Bekannt fürKahaani, Badla – Der unsichtbare Gast, Jaane Jaan
AuszeichnungenNational Film Award für das beste Originaldrehbuch · Filmfare Award für die beste Regie

Eine schwangere Frau kommt mitten während der Durga Puja aus London nach Kolkata und beginnt, nach einem Ehemann zu fragen, an den sich offenbar niemand in der Stadt erinnern kann. Für diese Geschichte fand Sujoy Ghosh zunächst keine Produzenten. Die Hauptfigur sei zu schwanger, die bengalischen Nebendarsteller seien in Mumbai zu unbekannt und Kolkata der falsche Schauplatz für einen Hindi-Thriller, hieß es. Trotzdem drehte er Kahaani – große Teile davon im Guerilla-Stil auf den überfüllten Straßen der Stadt. Am Ende setzte er auf eine Enthüllung, der Hindi-Thriller bis heute hinterherjagen. Die Wendung wurde zu seinem Markenzeichen. Und zugleich zu dem Maßstab, an dem er gemessen wird.

Sein bislang größtes Publikum wird ihn nun durch die Kamera eines anderen erreichen. Zunächst wurde Ghosh als Regisseur von King angekündigt, dem Actionthriller von Shah Rukh Khan für Red Chillies Entertainment. Stattdessen übernahm Siddharth Anand den Regiestuhl. Ghosh blieb als Autor der Geschichte an Bord und ist am Drehbuch beteiligt. Damit ist ausgerechnet der teuerste Film, der je seinen Namen trug, derjenige, bei dem er nicht Regie führen wird.

Ghosh wurde 1966 in Kolkata geboren und besuchte die St. James‘ School, bevor er mit dreizehn Jahren nach London zog. Anschließend studierte er an der University of Manchester, wo er einen Abschluss in Ingenieurwesen und einen MBA erwarb. Seine erste berufliche Laufbahn führte ihn nicht zum Film, sondern in den Nachrichtenbereich: Bei Reuters leitete er eine Mediendivision. 1999 kündigte er, ohne bis dahin einen einzigen Film gedreht zu haben.

Sein Debüt Jhankaar Beats kam 2003 in die Kinos: eine Komödie über Freunde, die von R. D. Burman besessen sind, jenem bengalischen Komponisten, dessen Lieder die Hindi-Filmmusik der Siebzigerjahre prägten. Als Hommage eines Bengalen an einen anderen wurde der Film zum Überraschungserfolg. Die beiden nächsten Filme hätten das Experiment beinahe beendet. Sowohl Home Delivery von 2005 als auch Aladin von 2009, ein Fantasyfilm mit Amitabh Bachchan und Riteish Deshmukh, blieben hinter den Erwartungen zurück. Nach dem zweiten Misserfolg musste Ghosh für Kahaani bei Produzenten Klinken putzen. Yash Raj Films bot an, den Film zu produzieren, wenn er einen Vertrag über drei Filme unterschriebe. Er lehnte ab.

Mit einem Budget von rund 80 Millionen Rupien produziert, startete Kahaani im März 2012 und spielte innerhalb von fünfzig Tagen weltweit mehr als eine Milliarde Rupien ein. Vidya Balan trug den Film als Vidya Bagchi; Parambrata Chatterjee und Nawazuddin Siddiqui verkörperten die Polizisten, die um sie kreisen. Für das gemeinsam mit Advaita Kala verfasste Drehbuch erhielt Ghosh den National Film Award für das beste Originaldrehbuch. Filmfare zeichnete ihn als besten Regisseur aus. Der Film verweist wiederholt auf Satyajit Ray und zeigt Kolkata nicht als Postkartenmotiv, sondern als Verdächtige.

Kolkata zog ihn immer wieder zurück. In Satyanweshi, dem letzten Film unter der Regie von Rituparno Ghosh, spielte er den Detektiv Byomkesh Bakshi. Der Film kam 2013 nach dem Tod seines Regisseurs heraus. 2015 drehte er Ahalya, einen bengalischen Kurzfilm mit Radhika Apte und Soumitra Chatterjee, der aus dem Mythos von der in Stein verwandelten Frau eines Weisen einen kleinen, bösen Thriller macht. Zwei Jahre später verfilmte er für den Kurzfilm Anukul eine Geschichte von Satyajit Ray über einen Roboter als Diener.

Mit Badla fand Ghosh 2019 erneut mit Amitabh Bachchan zusammen. Diesmal spielte Bachchan einen Anwalt, der eine Geschäftsfrau – verkörpert von Taapsee Pannu – befragt. Sie besteht darauf, dass man ihr den Mord an ihrem Geliebten angehängt hat. Der Film spielte bei einem Budget von rund 370 Millionen Rupien mehr als 1,38 Milliarden Rupien ein. Im selben Jahr veröffentlichte Netflix Typewriter, Ghoshs Serie über ein Spukhaus in Goa und eine Gruppe angehender Geisterjäger. Dann erreichte er sein bislang größtes Publikum. Jaane Jaan kam im September 2023 auf Netflix heraus. Der Film mit Kareena Kapoor bei ihrem Streaming-Debüt an der Seite von Jaideep Ahlawat und Vijay Varma stellte den Plattformrekord für das erfolgreichste Eröffnungswochenende eines indischen Films auf und kam in der zweiten Jahreshälfte auf mehr als zwanzig Millionen Aufrufe.

Das Muster dahinter ist weniger originell als Ghoshs Ruf. Badla ist ein Remake des spanischen Thrillers Der unsichtbare Gast, der im Englischen als The Invisible Guest bekannt ist. Jaane Jaan beruht auf Keigo Higashinos Roman Verdächtige Geliebte, der bereits in Japan und Südkorea verfilmt wurde. Ghoshs eigentliche Stärke liegt darin, einen dramaturgischen Mechanismus in ein indisches Umfeld zu übertragen und die Rollen treffsicher zu besetzen – das haben Kritiker von beiden Seiten hervorgehoben. Gulf News fand die Wendungen in Jaane Jaan vorhersehbar, lobte aber die Darsteller. Film Companion bezeichnete Bob Biswas, das von Ghosh geschriebene und produzierte Spin-off zu Kahaani, als köstliche Idee, die durch ein merkwürdig schwaches Drehbuch verschenkt werde. Ein Film, der auf seine letzte Wendung baut, steht und fällt damit, ob das Publikum ihr zuvorkommt.

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Auch abseits der Leinwand blieb Ärger nicht aus. Im November 2017 trat Ghosh als Vorsitzender der Jury des Indian Panorama beim International Film Festival of India in Goa zurück. Das Ministerium für Information und Rundfunk hatte zwei Filme aus dem Programm genommen, für die sich die Jury entschieden hatte: den Malayalam-Film S Durga und den Marathi-Film Nude. „Mein Rücktritt ist meine Stellungnahme“, sagte er. Zwei weitere Jurymitglieder schlossen sich ihm an. Unabhängig davon beschuldigte ein Autor, der in Hazaribagh im Bundesstaat Jharkhand Anzeige erstattet hatte, Ghosh, ein Drehbuch für Kahaani 2 kopiert zu haben, die Fortsetzung von 2016 mit Vidya Balan und Arjun Rampal. Das Strafverfahren zog sich acht Jahre hin und führte über eine Vorladung durch einen Richter bis vor den High Court von Jharkhand. Am 20. März 2026 hob der Supreme Court das Verfahren schließlich auf. Ghoshs Verteidigung stützte sich auf einen Entwurf, den er im Dezember 2013 bei der Screenwriters Association registriert hatte.

Auch seine Familie ist inzwischen in der Filmbranche aktiv. Seine Tochter Diya Annapurna Ghosh gab 2021 mit der Regie von Bob Biswas für ZEE5 ihr Spielfilmdebüt. Abhishek Bachchan spielte darin den wortkargen Auftragskiller, den Saswata Chatterjee in Kahaani geschaffen hatte. Ghoshs jüngste Regiearbeit war Sex with Ex, sein Beitrag zur Netflix-Anthologie Lust Stories 2 mit Vijay Varma und Tillotama Shome.

King startet am 24. Dezember 2026 in den Kinos. Zur Besetzung gehören Shah Rukh Khan, Suhana Khan in ihrer ersten Kinorolle, Deepika Padukone, Abhishek Bachchan und Jaideep Ahlawat; die Geschichte wird Ghosh zugeschrieben. Branchenberichte zufolge entwickelt er außerdem einen dritten Kahaani-Film, ein neues Mysterium in derselben Welt. Besetzung und Starttermin stehen jedoch noch nicht fest. Sollte der Film auf die Leinwand kommen, würde Ghosh bei jener Reihe wieder selbst Regie führen, die ihn bekannt gemacht hat.

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