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Dolph Lundgren: Vom Chemieingenieur zur Kampfmaschine – jetzt schreibt er über Schwäche

Penelope H. Fritz
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Dolph Lundgren
Dolph Lundgren
Photo: Toglenn / CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Geboren3. November 1957
Spånga, Stockholm, Sweden
BerufSchauspieler und Regisseur
Bekannt fürAquaman, Creed II: Rocky's Legacy, Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss
AuszeichnungenTime Machine Award, Sitges Film Festival · Fulbright Scholarship

Ivan Drago brauchte vier Worte, um den Kalten Krieg zu überdauern: „Ich muss dich brechen.“ Dolph Lundgren erzählt nun öffentlich und ausführlich, wie nah er daran war, sich selbst zu zerbrechen. In seinen Memoiren Fights Worth Fighting berichtet er von einer Krebserkrankung, die Ärzte jahrelang falsch einschätzten, einer Prognose von nur noch wenigen Monaten und einem Gespräch mit seinem Bruder Johan über Sterbehilfe in der Schweiz. Hollywood machte Lundgren zur Maschine. Die vielleicht interessanteste Rolle seiner Karriere ist die, in der er zugibt, dass diese Maschine versagt hat.

Die Kluft zwischen dem Bild und dem Menschen tat sich früh auf. Hans Lundgren wuchs in Spånga am westlichen Stadtrand von Stockholm auf – ein dünner Junge mit Allergien, den er später als halbes Hemd bezeichnete. Sein Vater, Ingenieur und Wirtschaftswissenschaftler im Staatsdienst, schlug ihn und nannte ihn einen Versager. Lundgren sagte, diese Tiraden hätten ihn zum Kampfsport gebracht. Mit zehn begann er Kyokushin-Karate, als Teenager stemmte er Gewichte. Sein Vater sagte ihm außerdem, wenn er in seinem Leben etwas Besonderes erreichen wolle, müsse er nach Amerika gehen.

Was danach kam, liest sich wie zwei aneinandergeheftete Biografien. Die eine handelt von einem Stipendiaten, geboren am 3. November 1957, der Chemieingenieurwesen an der Washington State University und der Clemson University studierte, seinen Abschluss am Königlich Technischen Institut in Stockholm und einen Master an der University of Sydney machte und ein Fulbright-Stipendium für das MIT erhielt. Die andere erzählt von einem Kämpfer, der Schwedens Kyokushin-Team als Kapitän anführte und 1980 sowie 1981 Europameister wurde. In Sydney arbeitete er als Türsteher in einem Nachtclub im Stadtteil Kings Cross; dort engagierte ihn Grace Jones als ihren Leibwächter. Er folgte ihr nach New York, arbeitete als Türsteher im Limelight, nahm tagsüber Schauspielunterricht und kehrte dem MIT nach zwei Wochen den Rücken.

Jones empfahl ihn für seine erste Rolle: den KGB-Schergen Venz in James Bond 007 – Im Angesicht des Todes. Dann suchte Sylvester Stallone einen sowjetischen Boxer und entschied sich für den hochgewachsenen Schweden – aus rund 5.000 Bewerbern – in Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts. Ein Schlag während einer Kampfszene brachte Stallone auf die Intensivstation. Lundgren beschrieb die Premiere in Westwood als den Abend, an dem er als Grace Jones’ Freund hineinging und 90 Minuten später als Filmstar Dolph Lundgren wieder herauskam.

Mit dem Ruhm kam ein festes Anforderungsprofil. Masters of the Universe machte ihn zu He-Man und floppte. Stephen Holden von der New York Times erklärte Lundgrens Brustmuskeln zu den eigentlichen Stars von Red Scorpion. The Punisher, Dark Angel und Showdown in Little Tokyo, in dem er Brandon Lee gegenüberstand, hielten ihn auf die Rolle des Muskelbergs festgelegt, der in Befehlen spricht. Universal Soldier, Roland Emmerichs Erfolg von 1992 mit Jean-Claude Van Damme, spielte weltweit mehr als 100 Millionen Dollar ein und landete trotzdem in Roger Eberts Buch über Filme, die er hasste. Das Training für Pentathlon führte zu einem unerwarteten Nebenschauplatz: 1996 war er bei den Olympischen Spielen in Atlanta Teamchef der US-amerikanischen Mannschaft im modernen Fünfkampf.

Die Kritik galt selten seinem Können, das nur wenige Rezensenten überhaupt zu beurteilen versuchten. Sie richtete sich gegen das Produkt. Da war ein Chemieingenieur, der Männer spielte, die kaum einen Satz zu Ende brachten – und er spielte mit. 2023 räumte er ein, von Mitte der 1980er- bis Mitte der 1990er-Jahre immer wieder Anabolika genommen zu haben. In den 2000er-Jahren blieben die Kinorollen zunehmend aus, und er begann, sich in Actionfilmen für den Videomarkt wie The Defender und The Mechanik selbst zu inszenieren: solides Genrekino, das kaum jemand besprach. Selbst das Comeback hatte seine Grenzen. The Expendables bescherte ihm 2010 die Rolle des Gunner Jensen und ein Franchise, doch The Expendables 4 floppte 2023. Das Spin-off Drago, für das er sich starkgemacht hatte, liegt nach eigener Aussage im Mai 2026 auf Eis, weil MGM sich auf Creed konzentrieren wollte.

Der eigentliche Wendepunkt war Creed II – Rocky’s Legacy. Als älterer, verarmter Ivan Drago, der in Kiew gedemütigt wird und seinen Sohn in den Ring drängt, gab Lundgren der Figur das Innenleben, das der Version von 1985 gefehlt hatte. Das New York Magazine bezeichnete es als Comeback. Im selben Jahr spielte er König Nereus in James Wans Aquaman. Mit Castle Falls, in dem er neben Scott Adkins und seiner Tochter Ida auftrat, kehrte er auf den Regiestuhl zurück. Anschließend schrieb und inszenierte er Wanted Man, der im Januar 2024 in die Kinos kam.

Hinter dieser Karrierephase steckte die Krankheit. 2015 entfernten Chirurgen einen Tumor aus seiner Niere. 2020 zeigten Untersuchungen weitere Tumore, darunter einen in der Leber; man sagte ihm, er habe vielleicht noch drei Jahre. Er arbeitete weiter und schwieg zunächst öffentlich darüber – bis Mai 2023. Zu diesem Zeitpunkt hatte die neue Onkologin Alexandra Drakaki herausgefunden, dass Lundgrens Tumore eine Mutation aufwiesen, die bei Lungenkrebs häufig vorkommt. Das bedeutete, dass er gegen die falsche Krankheit behandelt worden war. Es folgte eine andere Therapie, und 2024 sagte Lundgren, er sei krebsfrei. In seinen Memoiren schreibt er, dass er vor der Zweitmeinung beinahe alle Hoffnung aufgegeben hatte.

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In diesem Jahr hat er aufgehört, den privaten Menschen abzuschirmen. Im Februar feierte Dolph and the Lundgrens beim schwedischen Sender SVT Premiere. In der Serie stellen Ida und Greta, seine Töchter mit der Schmuckdesignerin Anette Qviberg, ihren Vater zur Rede, der einen Großteil ihrer Kindheit abwesend war. Die Dreharbeiten hätten sich wie eine Therapie angefühlt, sagte er. Im Juni wurde er zum Botschafter des Weltverbands im modernen Fünfkampf UIPM für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles ernannt. In Travis Knights Masters of the Universe trat er als alter Hase aus dem Fitnessstudio auf, der Nicholas Galitzines Prinz Adam mit den Worten „Gute Reise“ verabschiedet – eine Zeile aus dem Film von 1987. Außerdem spielte er in Mike & Nick & Nick & Alice auf Hulu einen kannibalischen Auftragskiller und in Isaac Florentines Hellfire einen korrupten Sheriff.

Lundgren heiratete im Juli 2023 auf Mykonos die norwegische Personal Trainerin Emma Krokdal. Im Februar 2024 erhielten die beiden die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Er pendelt zwischen Los Angeles und Stockholm.

Am 22. September 2026, dem Tag, an dem Harper Horizon Fights Worth Fighting veröffentlichte, brachte Sony One Last Shot heraus, den Thriller von James Nunn, in dem Lundgren neben Scott Adkins Admiral Mulholland spielt. Am 6. Oktober erscheint die Dokumentation Dolph: Unbreakable von Andrew Holmes auf digitalen Plattformen. Darin kommen Stallone, Arnold Schwarzenegger und Van Damme zu Wort. Der Titel verkauft die alte Marke. Das zwei Wochen zuvor erschienene Buch vertritt beinahe das genaue Gegenteil.

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