Kino

Digger floppt an den Kinokassen: Tom Cruise wird zuerst bezahlt, Warner Bros. trägt den Verlust

Veronica Loop
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Die naheliegende Erklärung für den Absturz von Digger ist eine Geschichte über Tom Cruise: Der verlässlichste Star Hollywoods hat sich endlich an einen Film gebunden, für den das Publikum kein Geld ausgeben wollte. Doch bei dieser Lesart stimmt die Rechnung nicht. Der Mann auf dem Kinoplakat wird bezahlt, bevor das Studio seine Kosten wieder eingespielt hat – und für die Verluste an diesem Wochenende kommt ein Studio auf, das es in seiner jetzigen Form nicht mehr geben wird, wenn die endgültigen Einnahmen feststehen.

Die Satire von Alejandro G. Iñárritu, in der Cruise einen Öl-Tycoon spielt, der die Welt vor der Klimakatastrophe retten will, die er selbst mitverursacht hat, war als Prestige-Wagnis angelegt: ein fünffach Oscar-prämierter Regisseur, der größte Star seiner Generation und eine schwarze Komödie mit dem Preisschild eines Blockbusters. Ein Wagnis dieser Größenordnung braucht ein Blockbuster-Publikum, um sich auszuzahlen. Hier fand sich davon nur ein Bruchteil – und die Lücke muss Warner Bros. schließen, nicht sein Star.

Was der Digger-Start tatsächlich kostet

Digger spielte in 3.321 nordamerikanischen Kinos acht Millionen Dollar ein und lag damit gleichauf mit Primetime am unteren Ende der Top fünf. Weitere zwölf Millionen Dollar aus 73 Auslandsmärkten bringen den weltweiten Start auf 20 Millionen Dollar. Warner hatte für Nordamerika mit zwölf bis 15 Millionen Dollar gerechnet. Es ist der schwächste Start eines Cruise-Films seit Lions for Lambs, der 2007 mit 6,7 Millionen Dollar anlief.

Bei den Kosten nimmt die Geschichte eine andere Wendung. Warner gab den Film mit einem Budget von 125 Millionen Dollar frei. Wie Variety berichtet, schoss der Preis in die Höhe, nachdem sich die Produktion in die Länge gezogen hatte; die Associated Press beziffert ihn auf eher 150 Millionen Dollar, andere Branchenberichte gehen sogar von bis zu 180 Millionen Dollar aus. Anschließend gab das Studio rund 100 Millionen Dollar für weltweites Marketing aus. Führungskräfte mit Erfahrung bei vergleichbaren Filmen sagten Variety, dass die Gewinnschwelle im Kino bei weltweit rund 350 Millionen Dollar liege. Ein Sprecher von Warner widersprach und nannte 300 Millionen Dollar. Bei beiden Schätzungen dürfte der Film Variety zufolge im Kino mindestens 150 bis 200 Millionen Dollar Verlust machen.

Auch die Mundpropaganda bietet kaum Rückhalt. Das Publikum gab Digger am Eröffnungsabend auf CinemaScore die Note C+, während die Kritiken geteilt ausfielen: Bei Rotten Tomatoes kommt der Film auf 51 Prozent.

Zuerst bezahlt – unabhängig vom Ergebnis

Ein Detail aus dem Bericht von Variety rückt das ganze Wochenende in ein anderes Licht. Cruise erhält eine Beteiligung ab dem ersten eingespielten Dollar. Das bedeutet, dass er einen Anteil an den Einnahmen bekommt, bevor das Studio auch nur einen seiner Kostenposten wieder hereingeholt hat. Für einen Star seines Kalibers ist das ein übliches Druckmittel, und daran ist nichts Unlauteres. Es bedeutet allerdings, dass Schlagzeilen, die von einem Desaster für Cruise sprechen, den Schaden für seine Erfolgsbilanz beschreiben, während die finanziellen Verluste bei den Unternehmen liegen, die den Film finanziert und vermarktet haben: bei Warner Bros. als Verleih und beim Produzenten Legendary Pictures. Cruise selbst schrieb seinen Instagram-Followern, es sei ihm eine Ehre gewesen, den Film gemacht zu haben.

David A. Gross von der Beratungsfirma Franchise Re benannte die Fehleinschätzung in Variety präzise: „Schwarze Komödien sind kleine Filme, und das hier ist kein kleiner Film. Es ist ein Tom-Cruise-Film.“ Dem Genre sind Grenzen gesetzt. Das Budget wurde festgelegt, als gäbe es diese Grenzen nicht.

Und es handelt sich nicht um eine einmalige Fehleinschätzung. Warners vorheriger Autorenfilm-Vorstoß, One Battle After Another, dominierte die Oscars und verlor trotzdem rund 100 Millionen Dollar – eine Zahl, die Variety selbst bestätigte, wie World of Reel noch vor diesem Wochenende anmerkte. In diesem Jahr hat das Studio mit Filmen wie The Bride! und Supergirl daneben gegriffen. Variety zufolge hat keine einzige Warner-Veröffentlichung des Jahres 2026 bislang in Nordamerika mehr als 100 Millionen Dollar eingespielt.

Warners letzter eigenständiger Kinostart, Paramounts erstes Argument

Der Zeitpunkt macht aus einem schlechten Wochenende ein Urteil. Digger ist der letzte Kinostart von Warner Bros. als eigenständigem Studio. Die Übernahme durch Paramount wird am Dienstag, dem 6. Oktober, abgeschlossen. Dann scheiden auch die Studio-Co-Chefs Mike De Luca und Pam Abdy aus; David Ellison, Josh Greenstein und Dana Goldberg übernehmen, berichtet die AP. Gross zog für die neuen Eigentümer ein klares Fazit: „Paramount hat in jüngerer Zeit keine großen, von Autoren geprägten Filme dieser Art gemacht – diese Strategie scheint endgültig vom Tisch zu sein.“

Am selben Wochenende gab es ein Gegenbeispiel. Verity von Amazon MGM, die Colleen-Hoover-Verfilmung mit Anne Hathaway und Dakota Johnson, kostete 40 Millionen Dollar und startete mit 32,6 Millionen Dollar in Nordamerika sowie rund 30 Millionen Dollar im Ausland auf Platz eins. Auch dieser Film erhielt bei CinemaScore die Note C+. Sein Publikum war nicht zufriedener. Doch sein Budget entsprach schlicht der Größe des Publikums, das er erreichen konnte.

Der nächste Filmemacher von Iñárritus Rang, der mit einer Satire im neunstelligen Budgetbereich und einem Superstar im Ensemble beim fusionierten Studio anklopft, wird Führungskräfte vorfinden, die die Bilanz dieses Wochenendes vor Augen haben. Digger wird vielleicht weniger als Tom Cruises schwächster Kinostart in Erinnerung bleiben denn als Beleg, auf den sich Paramount beruft, wenn es Nein sagt.

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