Kino

La bola negra gewinnt den Publikumspreis des London Film Festival für Los Javis

Camille Lefèvre
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Das Publikum des BFI London Film Festival hat La Bola Negra zu seinem Lieblingsfilm gewählt. Kaum ein Festivalpreis geht so eindeutig an die Menschen, die den Film gemacht haben. Javier Calvo und Javier Ambrossi, das Autor- und Regieduo, das in Spanien als Los Javis bekannt ist, gewinnen immer wieder genau jene Abstimmung, die zu ihren Anfängen passt: die des Publikums, das sich ein Ticket gekauft hat.

Im Ausland waren sie zunächst Unbekannte. Ambrossi erzählte der Associated Press, Cannes-Festivaldirektor Thierry Frémaux habe den Film mit einem Kompliment und einer Frage begrüßt: „Ich liebe diesen Film. Wer seid ihr?“ Zu Hause wäre die Frage absurd erschienen. Beide begannen als Schauspieler, und Calvo ist in Spanien vor allem durch die Jugendserie Física o Química bekannt. Gemeinsam entwickelten sie die Fernsehserien Paquita Salas und Veneno, drehten den Spielfilm Holy Camp!, saßen in der Jury von Drag Race España und moderierten Preisverleihungen. Das Publikum kannte sie lange, bevor sie auf den Festivalbühnen auftauchten.

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Eine Reihe von Festivalpreisen, über die das Publikum entschied

In Cannes, wo sie sich mit Paweł Pawlikowski den Regiepreis für Fatherland teilten, gehörte der Moment der Jury. Seither führte der Weg des Films über Publikumsvotings. Im September erhielt er in Toronto den People’s Choice Award. Netflix zufolge war er damit der erste Titel des Streamingdienstes, der den Preis gewann, und der erste internationale Film seit 15 Jahren. In San Sebastián kam der Publikumspreis mit einer Wertung von 9,4 von 10 Punkten. Laut Netflix hat dort noch kein spanischer Film eine höhere Bewertung erzielt. Auch in Busan und Sydney, so der Verleih, gewann der Film Publikumspreise.

In London wiederholte sich die Aufteilung. Die Jurys vergaben den Preis des offiziellen Wettbewerbs an Sergei Loznitsas Imperium; das Publikum entschied sich für das spanische Epos. „Diese Anerkennung durch das Publikum zu erhalten, bedeutet uns besonders viel“, erklärten Los Javis in einer Stellungnahme gegenüber The Hollywood Reporter und dankten „allen, die den Film gesehen und für uns gestimmt haben“. In Toronto waren sie bei der Preisverleihung nicht persönlich anwesend. In einer vom Festivalchef Cameron Bailey verlesenen Mitteilung hieß es ganz ähnlich, dass es „das größte Geschenk ist, das wir bekommen können“, wenn das Publikum den Film „zu seinem eigenen macht“. In London waren sie selbst vor Ort und stellten die Galavorführung gemeinsam mit Penélope Cruz, Miguel Bernardeau und Guitarricadelafuente vor, der Singer-Songwriter, für den es das Schauspieldebüt ist.

Eine Partnerschaft, die kurz vor dem Ziel beinahe zerbrach

Der Preis geht an ein Duo, das beinahe keines mehr gewesen wäre. Calvo und Ambrossi waren jahrelang ein Paar, berichtete die AP. Während sie La Bola Negra fertigstellten, trennten sie sich und beschlossen, auch beruflich getrennte Wege zu gehen. Noch vor Cannes änderten sie ihre Meinung. „Ich weiß nicht, was es heißt, Regisseur zu sein, wenn er nicht da ist“, sagte Ambrossi der Nachrichtenagentur. Calvo brachte es mit Blick auf den gemeinsamen Regiepreis knapper auf den Punkt: „Wir haben beide den Preis für die beste Regie gewonnen. Très chic.“

Die doppelte Autorenhandschrift erklärt auch den Umfang des Films. Die AP beziffert das Budget auf 15 Millionen Dollar – eine bescheidene Summe für eine Geschichte, die den Spanischen Bürgerkrieg umspannt. Ambrossi schreibt den Erfolg der Zusammenarbeit zu: „Zu zweit geht vieles leichter. Man kann mit weniger mehr erreichen.“ Gegenüber Netflix’ Tudum sagte er, die Struktur sei bereits beim Schreiben festgelegt worden; sogar „die Schnitte“ hätten schon im Drehbuch gestanden. Wer den Film als Autorenwerk liest, findet darin ein aufschlussreiches Detail. Ihre Handschrift steckt in der Architektur: Die drei Zeitebenen von 1932, 1937 und 2017 wurden so miteinander verzahnt, noch bevor eine einzige Einstellung gedreht war.

Lorca, Almodóvar und eine Oscar-Kampagne

Der Titel stammt aus einem unvollendeten Werk von Federico García Lorca. Das Duo schrieb das Drehbuch gemeinsam mit dem Dramatiker Alberto Conejero und ließ sich dabei von seinem Stück La piedra oscura inspirieren. Pedro Almodóvar ist als Produzent beteiligt, Glenn Close gehört neben Cruz zur Besetzung. „Es ist eine Art, unsere Großeltern und die älteren Generationen der LGBTQ-Community zu ehren“, sagte Calvo.

Der Film ist Spaniens offizieller Kandidat für den Oscar als bester internationaler Film. The Hollywood Reporter bezeichnet ihn inzwischen als ernst zu nehmenden Konkurrenten von The Odyssey im Rennen um den besten Film. Netflix, das nach Cannes den Bieterwettstreit gewann, räumt dem Film ein exklusives 46-tägiges Kinofenster ein – das längste, das der Konzern je gewährt hat.

Das Festival fand vom 7. bis 18. Oktober zum 70. Mal statt und meldete einen Besucherrekord. Grace Harper Brighouses Dokumentarfilm Dependence gewann den Publikumspreis für die beste britische Entdeckung. Altitude bringt La Bola Negra am 6. November in die Kinos in Großbritannien und Irland. In den USA und Kanada startet der Film am 2. Dezember bei Netflix.

Frémaux fragte, wer sie seien. Ein Publikum nach dem anderen hat mit seiner Stimme geantwortet – und am Freitag beginnt das britische Publikum, mit Kinotickets zu antworten.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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