Filmkritiken

The Batman macht den Dunklen Ritter endlich zum Detektiv – nur das Finale schwächelt

Matt Reeves, 2022: ein düsterer Krimi im korrupten Gotham, getragen von Robert Pattinson.
Martha O'Hara
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Gotham ist in diesem Film kein Abenteuerspielplatz, sondern eine Stadt, in der die Hoffnungslosigkeit bis in die Knochen der Bewohner gedrungen ist. Matt Reeves erzählt von Batman im zweiten Jahr seines Kampfes gegen das Verbrechen, und schon dieser Zuschnitt verändert vieles: kein Origin-Ballast, kein weiterer Rückblick auf den Mord an Bruce Waynes Eltern. Punch Drunk Critics nennt The Batman weniger einen Superheldenfilm als einen Detektivkrimi in einer Stadt, die von Korruption und Privilegien zerrissen wird. Das trifft es. Wer Heldenspektakel erwartet, braucht Geduld. Wer einen Ermittlungsfilm sucht, bekommt einen.

Den Anstoß gibt der Riddler. Paul Dano spielt nicht den grellen Rätselonkel der Jim-Carrey-Ära, sondern einen Serienmörder, der Funktionsträger der Stadt tötet und dabei Spuren zu einer größeren Verschwörung auslegt. Punch Drunk Critics beschreibt, wie er in einer frühen Szene aus dem Schatten heraus den Bürgermeister totschlägt, und rückt ihn in die Nähe eines Killers aus einem David-Fincher-Film. The Guardian fühlt sich an Saw erinnert und erwähnt die Gummimaske, in der der Riddler seine Auftritte in den sozialen Medien absolviert. Beide Beschreibungen passen zu einer Figur, die vor allem Bedrohung ist und erst in zweiter Linie Rätselsteller. Zu seinen Zielen zählen laut Guardian Bürgermeister Don Mitchell und Staatsanwalt Gil Colson, gespielt von Peter Sarsgaard. Seine Wut richtet sich gegen eine politische Klasse, die sich selbstzufrieden für die Zerschlagung eines Drogenhändlers feiert, während die Stadt weiter an einem neuen Rauschmittel namens „drops“ zugrunde geht.

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Robert Pattinson trägt den Film. The Guardian sieht in seinem Bruce Wayne einen eleganten, ausgezehrten Rockstar-Einsiedler, hager und dandyhaft, mit dunklen Haarsträhnen im Gesicht, der in Kostüm und Maske plötzlich an Masse gewinnt und sich zu steinerner Unbewegtheit verdichtet. Das erklärt, warum der Wechsel zwischen den beiden Figuren funktioniert, auch wenn er nicht subtil ist: Der Mann im schwarzen Anzug und der Mann unter der Maske scheinen kaum denselben Körper zu bewohnen. Punch Drunk Critics geht weiter und nennt Pattinsons Darstellung schlicht außergewöhnlich. Dieser Batman ist mehr Mythos und körperliche Präsenz als Mensch: Kleinkriminelle verschwinden, sobald das Signal am Himmel steht, und die Polizei misstraut dem Kostümierten, mit einer Ausnahme. Jeffrey Wright spielt James Gordon als den Einzigen, der ihm wirklich zu vertrauen scheint. The Guardian lobt ihn zusammen mit John Turturro als unaufgeregt gut und nennt Charisma die Superkraft von Zoë Kravitz. Als Selina Kyle bringt sie genau das mit, was ein Film braucht, der sonst in Düsternis zu versinken droht.

Auch das Nebenpersonal trägt. Colin Farrell ist als Pinguin laut Punch Drunk Critics nicht wiederzuerkennen, und The Holy Goof hält Andy Serkis für den besten Alfred, obwohl die Vorgänger, allen voran Michael Caine, die Latte hoch gelegt haben. Dasselbe Magazin freut sich, dass die Wayne-Familie nicht mehr als makelloses Vorbild gezeichnet wird und dass endlich jemand die dunkle Seite der Gothamer Eliten anfasst. Bruce ist selbst nicht frei von Fehlern, und die Zusammenarbeit mit der Polizei, die nicht jedem Beamten gefällt, gibt dem Film eine reibungsvolle Alltäglichkeit, die man in Batman-Filmen selten sieht. Ein Held, der Behörden braucht und von ihnen beargwöhnt wird, ist interessanter als der einsame Rächer, der alles allein erledigt.

Im Kern geht es um Rache und um die Frage, was an ihre Stelle treten kann. Film Colossus nennt die Erneuerung das größte Thema des Films und beschreibt Bruces ursprüngliche Motive als vor allem rachsüchtig. Dazu passt, was Punch Drunk Critics hervorhebt: Der Traum seines Vaters von einer Bürgermeisterkandidatur und das Projekt Wayne Renewal sind zu Staub zerfallen, erneuert wird in Gotham nur der Mord. Selbst die Helden dieser Stadt haben sich damit abgefunden, dass ihr Tun wenig ausrichtet. Batman kämpft für die Menschen, macht sich über seine Erfolgsaussichten aber keine Illusionen. Genau diese Müdigkeit unterscheidet den Film von den helleren Entwürfen der Figur.

Schwächer ist der Film dort, wo er sein eigenes Versprechen nicht einlöst. The Guardian bemängelt, dass die Rätsel des Riddlers weder besonders raffiniert noch wichtig für die Handlung seien. Die Zeitung schreibt, der Film stelle eine Enttarnung mit befriedigender Auflösung in Aussicht, liefere sie aber nicht. Das Ende nennt sie ein ziemlich schwaches Nicht-Ende, das Batmans existenzieller Krise ausweiche. Ich teile den Einwand: Ein Film, der sich als Ermittlung anlegt, schuldet dem Publikum eine Auflösung, die dem Aufwand entspricht. Ton, Laufzeit und der letzte Akt sind überhaupt die Stellen, an denen sich die Kritik insgesamt gestoßen hat. Wie unterschiedlich die Länge wirken kann, zeigt Punch Drunk Critics: Der Rezensent erzählt, er habe nach etwa der Hälfte begeistert zu einem Freund gesagt, das sei unglaublich, und zur Antwort bekommen, es kämen noch 90 Minuten. Gespürt habe er davon nichts.

Auf der Leinwand ist das Ganze von großer Wucht. Kameramann Greig Fraser drehte mit der virtuellen Produktionstechnik StageCraft von Industrial Light & Magic, Michael Giacchino komponierte die Musik, und über 1.500 Effektaufnahmen stecken im Film, der zu den längsten Superheldenfilmen überhaupt zählt. The Guardian nennt ihn hervorragend gestaltet und visuell spektakulär, mit wuchtigen Einschlägen, die einem aus der Dunkelheit entgegenkommen. Neben Pattinson und Kravitz loben die Rezensionen vor allem Frasers Bilder und Giacchinos Score.

Die Entstehung zog sich über Jahre. Ein Batman-Film im DC-Universum wurde schon im Oktober 2014 angekündigt, mit Ben Affleck in der Titelrolle. Er sollte auch inszenieren, produzieren und mitschreiben, trat aber im Januar 2017 zurück. Reeves übernahm im Folgemonat, löste die Geschichte aus dem DC-Universum und rückte eine jüngere Version der Figur in den Mittelpunkt, die noch weniger Jahre als Verbrechensbekämpfer hinter sich hat als Afflecks Batman. Das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit Peter Craig und Mattson Tomlin; Inspiration fand er bei Alfred Hitchcock, im New Hollywood und in Comics wie Year One und The Long Halloween. Pattinson wurde im Mai 2019 besetzt. Gedreht wurde von Januar 2020 bis März 2021, mehrere Monate lang unterbrochen durch die Pandemie, an Orten in England und Schottland sowie in den Leavesden Studios.

An der Kasse zahlte sich das aus. Der Film spielte weltweit über 772 Millionen Dollar bei einem Budget von 185 bis 200 Millionen ein, war der siebterfolgreichste Film des Jahres 2022 und erhielt drei Oscar-Nominierungen. Geplant ist, daraus eine Trilogie und ein gemeinsames Universum zu machen, die Batman Epic Crime Saga. Die Fortsetzung The Batman: Part II ist für den 18. Februar 2028 angekündigt; eine Serie um Farrells Pinguin lief Ende 2024 bei HBO an.

Unterm Strich ist Reeves‘ Film ein Ermittlerkrimi im Batman-Kostüm, und seine stärksten Momente gehören der Bedrohung und der Ungewissheit. Die Spannung der ersten beiden Akte läuft am Schluss in ein mattes Finale aus, und die Rätsel, mit denen der Riddler beginnt, verlieren unterwegs ihr Gewicht. Trotzdem lohnt der lange Abend: Danos bedrohlicher Riddler, Pattinsons körperliche Schwere und das Charisma von Kravitz tragen den Film weit über seine Schwächen hinaus.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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